Verrat, verdeckte Medienoperationen und das drohende Ende einer Bewegung: Tisana „Kaewta“ Choonhavan, Enkelin eines Premierministers, holt zum Vernichtungsschlag gegen die thailändische Volkspartei (People’s Party) aus. Was als parteiinterner Streit begann, könnte nun vor dem Verfassungsgericht mit der totalen Auflösung enden.
BANGKOK – In der thailändischen Politik wiegen Namen schwer, doch kaum einer trägt so viel historisches Gewicht wie „Choonhavan“. Dass ausgerechnet Tisana Choonhavan, das Gesicht der dritten Generation dieser mächtigen Dynastie, nun die Axt an die Wurzeln der progressiven Bewegung legt, gleicht einem politischen Erdbeben.
Der Frontalangriff
Nach der schmerzhaften Wahlniederlage vom 8. Februar brach Tisana das Schweigen. Ihr Ziel: Parteichef Natthaphong Ruengpanyawut. In einer Schärfe, die selbst langjährige Beobachter überraschte, forderte sie seinen sofortigen Rücktritt. Der Vorwurf lautet auf „unzureichende Führung“ und die chronische Unfähigkeit, Verantwortung für das politische Scheitern zu übernehmen. Die Volkspartei, einst Hoffnungsträgerin der Jugend, musste sich mit dem zweiten Platz hinter der Bhumjaithai-Partei begnügen – ein Absturz, der die internen Gräben aufriss.
Die „Spectre C“-Affäre: Ein juristisches Todesurteil?
Doch Tisana beließ es nicht bei personeller Kritik. In einer aufsehenerregenden Talkshow zündete sie eine rhetorische Bombe, die das Überleben der Partei gefährdet. Sie behauptete, die Parteispitze habe über das Medienunternehmen Spectre C eine gezielte Online-Informationskampagne (IO) gegen sie gestartet.
Das Brisante daran: Spectre C residiert im selben Gebäude wie die Parteizentrale und soll eng mit der Führung verknüpft sein. Da das thailändische Gesetz politischen Parteien den Besitz von Medienanteilen strikt untersagt, steht nun mehr als nur der Ruf auf dem Spiel.
Der berüchtigte Dauer-Kläger Srisuwan Janya hat bereits reagiert und Beschwerde bei der Wahlkommission eingereicht. Sein Ziel ist klar: Die Auflösung der Volkspartei. Damit droht der Bewegung das gleiche Schicksal wie ihren Vorgängern Future Forward und Move Forward, die beide von der Justiz zerschlagen wurden.
Schlammschlacht und „Rufmord“
Die Reaktion der Partei ließ nicht lange auf sich warten. Sprecher Parit Wacharasindhu dementierte jegliche verdeckten Operationen; man habe lediglich Inhalte produzieren lassen. Kritiker werfen Tisana hingegen pure Rache vor, da sie für die letzte Wahl nicht mehr als Kandidatin aufgestellt wurde.
Die Auseinandersetzung eskalierte zuletzt in einer digitalen Schlammschlacht. Nachdem Parteikollegen ihr öffentlich den Missbrauch „süchtig machender Substanzen“ unterstellt hatten, schlug Tisana juristisch zurück.
„Ich bin der Partei wegen ihrer Ideale von Gleichheit und Demokratie beigetreten“, erklärte sie bitter, „doch die zentralisierte Struktur und die Unterdrückung abweichender Meinungen untergraben genau diese Prinzipien.“
Das Erbe einer Dynastie
Tisana ist keine politische Quereinsteigerin, sie ist die Erbin einer thailändischen Zeitlinie. Ihr Vater war der angesehene Senator Kraisak Choonhavan, ihr Großvater General Chatichai Choonhavan lenkte als Premierminister die Geschicke des Landes, und ihr Urgroßvater führte 1947 den Staatsstreich an.
Mit Master-Abschlüssen der Mahidol-Universität und der renommierten SOAS in London sowie einer Karriere, die vom Außenministerium bis zum Kampf gegen den weltweiten Wildtierhandel reichte, galt sie als intellektuelles Aushängeschild der Progressiven. Dass sie nun ihren endgültigen Rückzug aus der Politik verkündet hat, markiert das Ende einer Ära – und vielleicht den Anfang vom Ende der Volkspartei.
Wie geht es weiter? Die Wahlkommission prüft nun die Beweise für eine illegale Medienbeteiligung. Sollte das Verfassungsgericht der Argumentation von Srisuwan Janya folgen, könnte die größte Oppositionskraft des Landes noch vor dem Sommer Geschichte sein.
STIN // AI