Es ist einer der größten Schläge gegen die organisierte Kriminalität in der jüngeren Geschichte Südostasiens. Das thailändische Zivilgericht hat die vorläufige Beschlagnahmung von Vermögenswerten in der astronomischen Höhe von knapp 13 Milliarden Baht (ca. 340 Millionen Euro) angeordnet. Die Spur des Geldes führt direkt in das Herz kambodschanischer Betrüger-Syndikate und zu einem Netzwerk aus thailändischen Komplizinnen sowie internationalen Hintermännern.
Präventivschlag gegen die Geldwäsche
Wittaya Nititham, die stellvertretende Generalsekretärin der Geldwäschebekämpfungsbehörde AMLO, trat heute mit einer klaren Botschaft vor die Presse: Der Zugriff war eine notwendige Zwangsmaßnahme. Auf Antrag der AMLO wurden die Konten, Immobilien und Sachwerte eingefroren, um zu verhindern, dass die unrechtmäßig erworbenen Reichtümer in letzter Sekunde verschoben, verkauft oder ins Ausland transferiert werden.
Die Ermittlungen zeichnen das Bild eines hochkomplexen kriminellen Geflechts, das in vier Hauptstränge unterteilt ist:
1. Das „Ben Smith“-Netzwerk: 12 Milliarden im Visier
Der größte Brocken der Beschlagnahmung entfällt auf eine Gruppe rund um den mutmaßlichen kambodschanischen Drahtzieher Yim Leak. Mit dabei: seine thailändische Ehefrau Wirinya sowie eine Frau namens „Taengthai“. Besonders brisant ist die Beteiligung von Benjamin Mauerberger, in der Szene besser bekannt unter seinem Pseudonym „Ben Smith“. Das Gesamtvermögen dieses Kreises wird auf rund 12,1 Milliarden Baht geschätzt – ein Imperium, das laut Ermittlern auf systematischem Betrug fußt.
2. Der gestürzte Tycoon: Chen Zhi und die Prince Holding Group
Der zweite Fall liest sich wie ein Wirtschaftskrimi. Er betrifft den in China geborenen Chen Zhi, Kopf der mächtigen Prince Holding Group in Kambodscha. Während sein Vermögen in Thailand auf etwa 345 Millionen Baht taxiert wird, ist sein persönlicher tiefer Fall bereits besiegelt: Auf massiven Druck aus Peking hin schob die kambodschanische Regierung den einstigen Tycoon ab. Chen Zhi sitzt derzeit in China in Haft.
3. Die Spur nach Kambodscha: Kok An und die „Uah-angkoon“-Gruppe
Auch weitere Akteure der regionalen Unterwelt gerieten ins Fadenkreuz:
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Kok An: Ein weiterer mutmaßlicher Boss aus Kambodscha, dessen thailändisches Vermögen von rund 560 Millionen Baht nun unter staatlicher Kontrolle steht.
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Die Gruppe Uah-angkoon: Ein kleinerer, aber dennoch bedeutender Fall, bei dem Vermögenswerte in Höhe von 46 Millionen Baht gesichert wurden.
Ein Signal an die Hintermänner
Mit dieser massiven Beschlagnahmung setzt Thailand ein deutliches Zeichen gegen die Rolle des Landes als „sicherer Hafen“ für Gelder aus illegalen Quellen. Während die Ermittlungen der AMLO weiterlaufen, bleibt das Vermögen unter Verschluss. Für die Betroffenen beginnt nun ein juristischer Überlebenskampf – für die thailändischen Behörden ist es ein Triumph im Kampf gegen die grenzüberschreitende Kriminalität.
STIN // AI