CHIANG MAI – Ein aufmerksamer Bankangestellter und das schnelle Eingreifen der thailändischen Polizei führten am Donnerstagnachmittag zur Festnahme einer vierköpfigen Bande. Die Gruppe steht im Verdacht, Teil eines weitverzweigten Netzwerks zu sein, das Millionenbeträge aus Callcenter-Betrügereien wäscht.

Der Zugriff am Schalter

Die dramatischen Szenen spielten sich gegen 15:55 Uhr in der Krungthai-Bankfiliale am Pratu Chiang Mai ab. Das Finanzkriminalitätsteam der Bank hatte zuvor Alarm geschlagen, als ein verdächtiges Konto für eine hohe Barabhebung aktiviert wurde.

Als die Beamten der Polizeiregion 5 die Filiale stürmten, trafen sie auf die 33-jährige Chuda Mangma. Die Frau aus Khon Kaen war gerade dabei, 300.000 Baht in bar entgegenzunehmen. Noch vor Ort klickten die Handschellen. Neben dem Bargeld beschlagnahmte die Polizei ein Sparbuch, eine Bankkarte und ein Mobiltelefon.

Unter dem Druck der ersten Vernehmung knickte die Verdächtige schnell ein. Sie gab zu, lediglich als Strohfau („Money Mule“) agiert zu haben. Das Geld gehöre ihr nicht; sie habe lediglich den Auftrag erhalten, das Konto zu eröffnen und die Summe abzuheben.

Die Drahtzieher im Schatten

Doch die Ermittler gaben sich mit dem kleinen Fisch nicht zufrieden. Durch eine sofortige Überwachung des Umfelds gelang nur 25 Minuten später ein weiterer Schlag. In unmittelbarer Nähe der Bank in der Chang Lor Road wurden drei mutmaßliche Komplizen festgenommen, die den Vorgang koordiniert und überwacht hatten:

  • Arr Wai (27): Ein Staatsangehöriger Myanmars, der als Logistik-Koordinator der Gruppe gilt.

  • Phipop alias „Sang“ (37): Ein staatenloser Mann mit einer „rosa Karte“, der die Operation vor Ort absicherte.

  • Jongfu alias „Afu“ (25): Ein Mann ohne offiziellen Personenstandsstatus.

Einer der Beteiligten muss sich zudem wegen Verstößen gegen das Einwanderungsgesetz von 1979 verantworten.

Die Spur führt nach China

Hinter den 300.000 Baht verbirgt sich eine tragische Geschichte aus der Provinz Saraburi. Dort war ein Opfer auf einen Online-Betrug hereingefallen und hatte die Summe kurz zuvor auf das Konto überwiesen. Insgesamt beläuft sich der gemeldete Schaden in diesem Fall auf 2,4 Millionen Baht.

Die Aussagen der Festgenommenen werfen ein Licht auf die professionelle Struktur hinter dem Verbrechen. Die Gruppe gab an, im Auftrag eines chinesischen Hintermanns zu handeln. Das Netzwerk sei strikt unterteilt: Während thailändische Helfer die Logistik – von Hotelbuchungen über Mietwagen bis hin zur Anwerbung von Kontoinhabern – übernahmen, steuerten die Drahtzieher die Operation aus dem Hintergrund.

Ermittlungen werden ausgeweitet

Für die thailändischen Behörden ist der Fall mit diesen Festnahmen noch lange nicht abgeschlossen. „Wir verfügen bereits über Beweise gegen mindestens zwei weitere Verdächtige“, hieß es seitens der Polizei. Die Ermittler der Station Mueang Chiang Mai arbeiten nun unter Hochdruck daran, die gesamte Kette bis zu den chinesischen Anführern zurückzuverfolgen.

 

STIN // AI

Von stin

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