PEKING – In einem strategischen Manöver gegen die eigene Währungsstärke hat die chinesische Volksbank (PBOC) am Freitag interveniert, um die rasante Aufwertung des Yuan zu drosseln. Mit einer überraschenden Kehrtwende in der Geldpolitik signalisiert Peking: Der Renminbi steigt zu schnell – und die Zentralbank ist bereit, den Markt aktiv umzusteuern.

Die Rückkehr zur Null-Linie

Ab dem 2. März senkt die PBOC die Devisenrisikoreserven für Finanzinstitute bei Währungstermingeschäften von zuvor 20 % auf null. Damit revidiert die Zentralbank eine Maßnahme vom September 2022, die damals noch eingeführt worden war, um einen massiven Wertverfall und Kapitalflucht zu verhindern. Heute ist das Problem ein anderes: Der Yuan ist zu attraktiv geworden.

Die Nachricht hinterließ sofort Spuren an den Märkten. Der Offshore-Yuan gab nach der Ankündigung um rund 0,2 % nach. Marktbeobachter wie Yuan Tao, Analyst bei Orient Futures, zeigten sich überrumpelt: „Das kam für mich ziemlich unerwartet. Es ist ein klares Zeichen, dass die PBOC interveniert, weil das Tempo der Aufwertung außer Kontrolle gerät.“

Export-Boom treibt die Währung

Hinter dem Höhenflug steckt ein paradoxes Luxusproblem. Nach einem Rekordhandelsüberschuss im vergangenen Jahr fluteten Chinas Exporteure den Markt mit US-Dollar, um diese in heimische Währung umzutauschen. Dieser Verkaufsdruck trieb den Yuan am Donnerstag im Inlandshandel auf ein Drei-Jahres-Hoch und durchbrach die psychologisch wichtige Marke von 7 Yuan pro Dollar.


Expertenstimmen: Marktvertrauen vs. Volatilität

Die PBOC kaschiert den Eingriff offiziell als Maßnahme zur „Unterstützung von Unternehmen beim Management von Wechselkursrisiken“. Doch die Analysten lesen zwischen den Zeilen:

  • Liu Yang (Zheshang Development Group): Er erwartet, dass durch den Wegfall der Reservepflicht eine „aufgestaute Nachfrage nach Dollar-Käufen“ freigesetzt wird. Dies soll das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage glätten. Zudem zeige der Schritt, dass die PBOC derzeit kein Risiko für eine unkontrollierte Abwertung sieht.

  • Xu Tianchen (Economist Intelligence Unit): Er verweist auf die fundamentale Stärke der Währung. „Der Renminbi behauptet sich stark, selbst wenn der Dollar stabil bleibt. Das deutet darauf hin, dass der Markt die chinesische Währung weiterhin für unterbewertet hält.“

Ein bewährtes Instrumentarium

Die Anpassung der Risikoreserven gehört zum Standard-Repertoire Pekings, um extreme Volatilität abzufedern. Die Zentralbank betonte am Freitag erneut ihr Ziel, den Wechselkurs auf einem „angemessenen und ausgewogenen Niveau“ stabil zu halten.

Nachdem der Yuan bereits 2024 seinen stärksten jährlichen Zuwachs seit vier Jahren verzeichnete, macht Peking nun deutlich, dass man einer einseitigen Wetten auf eine weitere Aufwertung nicht tatenlos zusehen wird.

 

STIN // AI

Von stin

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