Bangkok – Es ist ein Ritual, das mittlerweile zum 44. Mal stattfindet, doch die Spannung vor den Toren des Klong Prem Zentralgefängnisses ist greifbarer denn je. Während die tropische Hitze über der thailändischen Hauptstadt brütet, verlassen Panthongtae Shinawatra und Rechtsanwalt Winyat Chatmontree das schwere Portal. Ihre Botschaft ist klar: Die Ära der Gefangenschaft von Ex-Premierminister Thaksin Shinawatra neigt sich dem Ende zu – allen juristischen Störfeuern zum Trotz.

Ein Lächeln hinter Gittern

Es war exakt 11:30 Uhr, als die Delegation, zu der auch Thaksins Schwiegetochter Nattiya und sein Schwager Bannaphot Damapong gehörten, vor die Presse trat. Nach fünf Monaten und 20 Tagen hinter Mauern scheint der einstige starke Mann Thailands seinen Kampfgeist nicht verloren zu haben.

„Mein Vater ist bei guter Gesundheit“, erklärte Panthongtae knapp, aber bestimmt. Man habe über Alltägliches gesprochen, die Familie stehe im Fokus. Über den entscheidenden Tag – den 11. Mai – habe man im Inneren offiziell nicht geredet. Doch die Aura der Zuversicht war kaum zu übersehen. Anwalt Winyat ergänzte, dass Thaksin nach dem Treffen mit seinen Liebsten gelächelt habe; sein Zustand sei „viel besser“ als in den düsteren ersten Tagen der Haft.

Das juristische Tauziehen um die Bewährung

Die große Frage, die über dem Fall schwebt: Kann die Justiz die für Mai geplante Entlassung auf Bewährung noch in letzter Sekunde stoppen? Hintergrund ist die hochbrisante Berufung im Fall der Majestätsbeleidigung (Artikel 112).

Nachdem das Strafgericht die Vorwürfe – Thaksin habe den Kronrat mit dem Putsch von 2014 in Verbindung gebracht – im August 2025 überraschend abgeschmettert hatte, sorgte die neue Generalstaatsanwältin Itthiporn Kaewthip für einen Paukenschlag: Sie setzte sich über interne Empfehlungen hinweg und legte Berufung gegen den Freispruch ein.

„Keine Auswirkungen“ – Die Strategie der Zuversicht

Doch Rechtsanwalt Winyat gibt sich unerschütterlich. Er nutzte den Moment vor den Kameras für eine juristische Klarstellung, die wie ein Befreiungsschlag wirken sollte:

„Es handelt sich um ein völlig separates Verfahren. Die Berufung nach Artikel 112 hat definitiv keine Auswirkungen auf die Bewährung am 11. Mai. Diejenigen, die auf seine Freilassung warten, können beruhigt sein.“

Während das Berufungsgericht noch über den Akten brütet und ein Urteil erst im Laufe des Jahres erwartet wird, läuft die Koordination für Thaksins Rückkehr in den Schoß der Familie bereits auf Hochtouren. Für die Shinawatras ist der 11. Mai nicht nur ein Datum im Kalender – es ist der Tag, an dem eine der turbulentesten Episoden der thailändischen Polit-Saga ihr vorläufiges Ende finden soll.

 

STIN // AI

Von stin

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