Hinter den verschlossenen Türen der thailändischen Machtzentren wurde ein Urteil gefällt, noch bevor die Tinte auf den Bestätigungsurkunden der Wahlkommission trocken war. Während das Land offiziell auf die Bestätigung von über 95 % der Abgeordneten wartete, wurde das wahre Schicksal der neuen Regierung längst per Handschlag besiegelt. Im Zentrum dieses politischen Bebens: Ein Geheimpakt zwischen der Strippenzieherin Khunying Potjaman Damapong und dem Bhumjaithai-Vordenker Newin Chidchob.
Acht Posten als Preis der Allianz
Unter der Führung der Bhumjaithai-Partei nimmt das neue Kabinett Gestalt an, doch die Handschrift der Pheu-Thai-Partei ist unverkennbar. Berichten zufolge sicherte sich die Partei im Rahmen des „Potjaman-Newin-Abkommens“ eine Quote von acht strategischen Posten – fünf Ministerien und drei Staatssekretariate.
Die vorläufige Liste liest sich wie ein „Who is Who“ der politischen Elite, birgt jedoch bereits Zündstoff für interne Machtkämpfe:
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Yodchanan Wongsawat: Soll als Vize-Premier und Minister für Hochschulbildung und Innovation die technologische Zukunft steuern.
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Suriya Jungrungruangkit: Gilt als Favorit für das Schlüsselressort Landwirtschaft.
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Julapun Amornvivat: Wird als künftige Bildungsministerin gehandelt.
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Prasert Jantararuangtong: Steht für das Arbeitsministerium bereit.
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Sudawan Wangsuphakijkosol: Ist für das Ministerium für soziale Entwicklung vorgesehen.
Das „Tapioka-Dilemma“ und die „S“-Klausel
Doch die Harmonie ist brüchig. Innerhalb der Pheu-Thai-Fraktion brodelt es: Sudawan, die mächtige Vertreterin der Tapiokastärke-Industrie, brachte stolze zehn Sitze aus Nakhon Ratchasima ein. Dass ausgerechnet Prasert, der lediglich ein Mandat errang, ein einflussreicheres Ministerium erhalten soll, sorgt für Unmut. Ein kurzfristiger Tausch der Ressorts gilt in Insiderkreisen als wahrscheinlich.
Noch pikanter ist die Bedingung, die die dominierende Bhumjaithai-Partei ihren Partnern diktiert hat: „Verjüngung um jeden Preis.“ Um das öffentliche Image zu polieren, forderte die Parteispitze die Aufstellung einer „neuen Generation“. Dies gleicht einem politischen Berufsverbot für die alten Schlachtrosse der Partei. Besonders die beiden Schwergewichte, deren Namen mit „S“ beginnen – Wahlkampfleiter Suriya Jungrungruangkit und der erfahrene Somsak Thepsuthin – stehen damit im Fadenkreuz dieser neuen Ära.
Der Kampf um den Nordosten
Während die Ministerposten besetzt scheinen, tobt um die drei stellvertretenden Posten ein regionaler Verteilungskampf. Die Pheu-Thai-Partei muss ihre 43 Abgeordneten aus dem Nordosten bei Laune halten. Hier bringen sich einflussreiche Polit-Dynastien in Stellung: Namen wie Monporn Charoensri (Nakhon Phanom) und Vichian Khaokham (Udon Thani) fallen immer wieder, wenn es darum geht, wer die Basis in der Provinz vertreten darf.
Dass dieser komplexe Deal überhaupt zustande kam, ist wohl allein dem diplomatischen Geschick von Khunying Potjaman Damapong zu verdanken. Ihr direktes Eingreifen bei Newin Chidchob sicherte der wirtschaftsnahen Fraktion der Pheu Thai in letzter Sekunde den Platz am Kabinettstisch.
Die Würfel sind gefallen, doch in Thailands politischem Schachspiel ist die Partie erst vorbei, wenn die Vereidigung vollzogen ist.