Angesichts globaler Erschütterungen und einer fragilen heimischen Lage schlagen Thailands führende Wirtschaftsköpfe Alarm: Nur „Schwergewichte“ mit nachgewiesener Expertise dürften die Schlüsselressorts der neuen Regierung übernehmen. Während der Ölpreis Richtung 125 Dollar schielen könnte, mahnen Experten zur Haushaltsdisziplin und dem Ende teurer Geschenke.
BANGKOK – Es war kein gewöhnlicher Austausch am „Tag der Reporter“. Als Somkiat Tangkitvanich (TDRI) und Danucha Pichayanan (NESDC) das Podium des thailändischen Journalistenverbandes betraten, war die Botschaft klar: Für politische Experimente und Postengeschacher ist in der aktuellen Weltlage kein Platz mehr.
Vertrauen als härteste Währung
In einer Zeit, in der Handelskonflikte, der Klimawandel und die digitale Transformation das Land unter Druck setzen, sei die Glaubwürdigkeit der neuen Regierung das wichtigste Kapital. Somkiat Tangkitvanich, Präsident des renommierten Thailand Development Research Institute, fand deutliche Worte: Angesichts der Zweifel an der Transparenz der Wahlen müsse das neue Kabinett durch pure Kompetenz bestechen, um das Vertrauen der Bürger und Investoren zurückzugewinnen.
„Wir befinden uns in einer ungewöhnlichen, instabilen Phase“, warnte Somkiat. Seine radikale Forderung: Geplante Megaprojekte, die den Staatshaushalt über Jahre knebeln würden, müssten sofort auf den Prüfstand oder verschoben werden.
Das Ende der Subventionsmentalität
Besonders beim hochemotionalen Thema Energiepreise plädiert Somkiat für schmerzhafte Ehrlichkeit. Anstatt die Ölpreise künstlich niedrig zu halten, solle die Regierung die Marktmechanismen spielen lassen. Nur wenn die Preise die Realität widerspiegeln, entstehe der nötige Anreiz für ein echtes Energiebewusstsein in der Bevölkerung.
Düstere Prognose: Ölpreis bei 125 Dollar?
Danucha Pichayanan, Generalsekretär des Nationalen Rates für wirtschaftliche und soziale Entwicklung, stützte diese Linie und skizzierte ein düsteres Szenario für den Weltmarkt. Sollte der Konflikt im Nahen Osten eskalieren und die strategisch wichtige Straße von Hormus länger als einen Monat blockiert bleiben, prognostiziert er einen Sprung des Rohölpreises auf bis zu 125 US-Dollar pro Barrel.
Zwar beruhigte Danucha mit dem Hinweis, dass Thailands Ölreserven für etwa 95 Tage reichen würden, doch die langfristige Herausforderung bleibe die „Resilienz“. Das Land müsse lernen, mit externen Schocks – seien es Kriege oder geopolitische Verwerfungen – umzugehen, ohne die finanzielle Stabilität zu opfern.
Die Regierung unter Zugzwang
Die Sorge der Experten deckt sich mit den Einschätzungen aus der Regierungsspitze. Premierminister Anutin Charnvirakul äußerte sich heute besorgt über die weitreichenden Folgen des Nahost-Konflikts, die von den Supermarktregalen bis hin zum Aktienmarkt alles erschüttern könnten. Er habe die Behörden bereits angewiesen, Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung vorzubereiten.
Doch für die Ökonomen greift bloßes Krisenmanagement zu kurz. Ihr Appell ist ein Ruf nach einer neuen politischen Kultur: In den Schlüsselministerien dürfen künftig nicht mehr die loyalsten Parteisoldaten sitzen, sondern nur noch die fähigsten Köpfe des Landes.