BANGKOK / SONGKHLA – In Thailands politischem Parkett braut sich ein Sturm zusammen: Die Spezialeinheit Department of Special Investigation (DSI) erhöht massiv den Druck auf Chonnapat Naksua. Der Abgeordnete der Kla-Tham-Partei aus der Provinz Songkhla steht im Zentrum einer großangelegten Untersuchung gegen ein illegales Online-Glücksspiel-Imperium, das Schätzungen zufolge über eine Milliarde Baht umgesetzt haben soll.
Das Ultimatum der Ermittler
Die DSI hat offiziell Vorladung gegen den Politiker erlassen. Am kommenden Mittwoch wird Chonnapat im Hauptquartier der Ermittler erwartet, um sich den schwerwiegenden Vorwürfen zu stellen. Erscheint er nicht, steht der 19. März als Termin für die zweite Vorladung bereits fest.
Doch hinter den Kulissen beginnt ein juristisches Tauziehen: Sollte das Parlament bis dahin zu seiner Sitzungsperiode zusammenkommen, könnte Chonnapat seine parlamentarische Immunität geltend machen. In diesem Fall blieben den Behörden die Hände gebunden, bis die Sitzung beendet ist – es sei denn, der Parlamentspräsident erteilt persönlich eine Sondergenehmigung zur Strafverfolgung.
Razzien im Morgengrauen: 159 Millionen Baht eingefroren
Bereits im November letzten Jahres zogen DSI und das Anti-Geldwäsche-Büro (AMLO) die Schlinge enger. Vermögenswerte in Höhe von rund 159 Millionen Baht, die Chonnapat zugerechnet werden, wurden beschlagnahmt. Die Ermittler sind überzeugt, dass dieses Vermögen direkt aus den Gewinnen der illegalen Wettplattformen stammt.
Gestern folgte der nächste Schlag: Beamte der Cyberkriminalität stürmten zeitgleich zehn Objekte in Bangkok, Nonthaburi, Pathum Thani und Songkhla.
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Der Zugriff: In einem der Objekte wurde eine Frau festgenommen, die mutmaßlich als Administratorin die Strippen der Plattform zog.
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Das Ziel: Unter den durchsuchten Anwesen befand sich auch Chonnapats privates Wohnhaus im Bezirk Sathing Phra.
Ein Netzwerk, das nicht sterben will
Laut Pol Col Khemachart Prakaihongmanee, Direktor der Abteilung für Cyberkriminalität, sind die aktuellen Operationen die Fortsetzung eines Falls aus dem Jahr 2023. Damals glaubte die Polizei, den Ring bereits zerschlagen zu haben. 36 Personen wurden angeklagt, einige bereits verurteilt. Doch die Wurzeln des Netzwerks reichten offenbar tiefer in die Politik, als zunächst öffentlich bekannt war.
Am 27. Februar beantragte die Polizei Haftbefehle gegen insgesamt 25 Verdächtige – Chonnapat steht ganz oben auf dieser Liste.
Partei geht auf Distanz
Während sich der zweifache Abgeordnete am Mittwoch noch demonstrativ im Sekretariat des Repräsentantenhauses meldete, bröckelt die Rückendeckung in den eigenen Reihen. Thammanat Prompao, Vorsitzender des Beratungsgremiums der Kla-Tham-Partei, gab sich betont unterkühlt: Die Partei habe mit den „persönlichen Angelegenheiten“ des Abgeordneten nichts zu tun.
Ob Chonnapat den Gang zur DSI antritt oder auf Zeit spielt, wird sich am Mittwoch zeigen. Die Ermittler jedenfalls haben klargemacht, dass sie nicht vorhaben, das Milliarden-Netzwerk ein zweites Mal entkommen zu lassen.
STIN // AI