RAYONG – Es ist ein tiefer Fall für einen Mann, der einst für die Hoffnung auf Veränderung in Thailand stand. Nakornchai Khunnarong, ehemaliger Abgeordneter der Move Forward Party für die Provinz Rayong, wurde heute vom Provinzgericht Rayong zu einer einjährigen Gefängnisstrafe ohne Bewährung verurteilt. Das Urteil markiert den vorläufigen Endpunkt eines Skandals um Wahlbetrug und eine verschwiegene kriminelle Vergangenheit.

Das Urteil: Hinter Gittern statt im Parlament

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Nakornchai bei den Parlamentswahlen 2023 kandidierte, obwohl er genau wusste, dass er aufgrund einer früheren Verurteilung nicht wählbar war. Neben der Freiheitsstrafe verhängte die Justiz eine drakonische politische Sanktion: Nakornchai wird für die nächsten 20 Jahre das Wahlrecht entzogen.

Ursprünglich lautete das Strafmaß auf zwei Jahre Gefängnis. Da der Angeklagte jedoch am 27. März sein Plädoyer änderte und sich schuldig bekannte, halbierte das Gericht die Strafe auf ein Jahr.

Eine dunkle Vergangenheit holt die Gegenwart ein

Der Kern des Falls liegt weit zurück, hat aber bis heute massive Konsequenzen. Im Jahr 2015 war Nakornchai vom Provinzgericht Chon Buri wegen Diebstahls zu einer 18-monatigen Haftstrafe verurteilt worden. Laut thailändischem Wahlgesetz führt eine solche Vorstrafe zum dauerhaften Ausschluss von politischen Ämtern. Nakornchai ignorierte diese Hürde bei seiner Kandidatur im Jahr 2023 jedoch geflissentlich.


Die teure Rechnung für den Staat

Die Konsequenzen für den Ex-Politiker sind nicht nur strafrechtlicher, sondern auch massiver finanzieller Natur:

  • Gehaltsrückzahlung: Während seiner kurzen Amtszeit vom 14. Mai bis zum 3. August 2023 bezog Nakornchai Bezüge und Leistungen in Höhe von rund 400.000 Baht. Dieses Geld muss er nun vollständig an den Staat zurückgeben.

  • Schadenersatz für Nachwahlen: Bereits im März ordnete ein Zivilgericht an, dass der Beklagte für die Kosten der durch sein Ausscheiden notwendig gewordenen Nachwahl aufkommen muss. Die Summe beläuft sich auf stolze 8 Millionen Baht.

Vorläufige Freiheit gegen Kaution

Trotz des Urteils blieb Nakornchai der sofortige Gang ins Gefängnis erspart. Er wurde gegen eine Kautionszahlung von etwa 100.000 Baht vorerst auf freiem Fuß belassen, während das Verfahren möglicherweise in die nächste Instanz geht.

Der Fall wirft erneut ein Schlaglicht auf die strengen Überprüfungsprozesse – oder deren Lücken – innerhalb der thailändischen Parteienlandschaft vor den historischen Wahlen des vergangenen Jahres.

 

STIN // AI

Von stin

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