Vom politischen Späteinsteiger zum historischen Interimspräsidenten: Wenn Ende März das thailändische Parlament zu seiner konstituierenden Sitzung zusammenkommt, ruhen alle Augen auf einem Mann, der fast so alt ist wie die thailändische Demokratie selbst. Pairote Lohsunthorn übernimmt mit 90 Jahren die Leitung des Hauses – eine Premiere nach vier Jahrzehnten im Dienst der Macht.
Ein Jahrhundertzeuge übernimmt das Zepter
Pairote Lohsunthorn wurde am 24. Januar 1936 geboren – nur vier Jahre nachdem das damalige Siam die absolute Monarchie hinter sich ließ. Dass er nun, im stolzen Alter von 90 Jahren, die Eröffnung des 27. Unterhauses leiten wird, ist mehr als nur eine zeremonielle Geste; es ist der Höhepunkt einer bemerkenswerten Karriere. Als ältestes gewähltes Mitglied fällt ihm die prestigeträchtige Aufgabe zu, die Vereidigung der neuen Abgeordneten zu beaufsichtigen und die Wahl des neuen Sprechers zu moderieren.
Der Zeitplan ist straff: Nachdem die Wahlkommission am 4. März die Ergebnisse der Wahl vom 8. Februar offiziell bestätigt hat, muss das Parlament bis spätestens 19. März zusammentreten. „Trotz meiner 90 Jahre erfreue ich mich bester Gesundheit“, gab sich der Pheu-Thai-Politiker bei seiner Anmeldung im Parlament am 6. März kämpferisch. „Ich bin voll einsatzfähig und bereit für diese Aufgabe.“
Erbe eines Weggefährten
Pairote tritt in die Fußstapfen eines engen Vertrauten. Vor ihm hatte Viroj Pao-in nach der Wahl 2023 das Parlament im Alter von 89 Jahren eröffnet. Viroj, einst stellvertretender Premierminister und eine Säule der Pheu-Thai-Partei, verstarb im vergangenen Oktober mit 91 Jahren. Nun liegt es an Pairote, diese Tradition der „Alterspräsidenten“ fortzuführen und den Weg für die Wahl des nächsten Premierministers zu ebnen, die für Ende März oder Anfang April erwartet wird.
Die späte Karriere eines Strategen
Pairotes Weg in die Politik war kein Sprint, sondern ein Marathon. Erst mit 52 Jahren – einem Alter, in dem andere bereits an den Ruhestand denken – feierte er 1988 sein Debüt als Abgeordneter für die Provinz Lampang. Seither ist er aus der politischen Landschaft Thailands nicht mehr wegzudenken:
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Zehnmal gewählt: Neun Siege in Lampang, zuletzt sicherte er sich 2023 und 2026 Sitze auf der Liste der Pheu Thai.
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Ministerielle Erfahrung: In den 1990er Jahren diente er zweimal als stellvertretender Innenminister und später als stellvertretender Bildungsminister unter Chuan Leekpai.
Der Architekt der Thaksin-Ära
Pairotes politisches Gespür zeigte sich besonders zur Jahrtausendwende. 2001 sorgte er für ein politisches Beben, als er kurz vor den Wahlen die Partei Chart Pattana verließ, um sich der damals jungen Thai Rak Thai (TRT) des Wirtschaftsmagnaten Thaksin Shinawatra anzuschließen. Der Überraschungscoup erzürnte seinen damaligen Parteichef, zahlte sich aber aus: Die TRT errang 248 Sitze und hievte Thaksin erstmals ins Amt des Premierministers.
Doch die Macht hatte ihren Preis. Nach dem Putsch von 2006 wurde die TRT gerichtlich aufgelöst, und Pairote wurde mit einem fünfjährigen Politikverbot belegt. Er wartete geduldig ab. Sobald die Sperre abgelaufen war, kehrte er zur Pheu Thai zurück und feierte 2019 im Alter von 82 Jahren ein beeindruckendes Comeback im Parlament.
Wenn Pairote Lohsunthorn Ende des Monats den Hammer schwingt, schließt sich ein Kreis. Er ist nicht nur ein Relikt der Vergangenheit, sondern die Brücke in die Zukunft eines neuen Parlaments.
STIN // AI