Die Zahlen sind alarmierend, die Prognosen düster: Während die Welt auf neue Pandemien starrt, kehrt ein alter Bekannter mit voller Wucht nach Thailand zurück. In den ersten 70 Tagen des Jahres 2026 hat die Influenza bereits über 137.000 Menschen infiziert – und Experten befürchten, dass das Schlimmste noch bevorsteht.
Der unsichtbare Feind im Alltag
Von den nebelverhangenen Bergen im Norden bis in die geschäftigen Provinzen des Isaan: Das Virus breitet sich unaufhaltsam aus. Dr. Montien Kanasawat, Generaldirektor des Department of Disease Control (DDC), legte eine Bilanz vor, die aufhorchen lässt. Zwischen dem 1. Januar und dem 9. März wurden landesweit 137.276 Fälle registriert. Besonders besorgniserregend: Über 15.000 Menschen mussten stationär im Krankenhaus behandelt werden; für acht Patienten kam jede Hilfe zu spät.
Spielplätze als Hotspots: Die Jüngsten trifft es am härtesten
Die Statistik zeichnet ein deutliches Bild der Übertragungswege. Es sind vor allem die Schulen und Kindergärten, die zum Motor der Ausbreitung werden. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache:
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Altersgruppe 5 bis 9 Jahre: 26.806 Fälle (Spitzenreiter)
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Altersgruppe 10 bis 14 Jahre: 20.812 Fälle
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Kleinkinder (0 bis 4 Jahre): 16.992 Fälle
Doch das Virus macht vor dem Werkstor nicht halt. Auch die arbeitende Bevölkerung ist massiv betroffen, was die „breite Zirkulation im Alltag“ unterstreicht, so die Behörden.
Brennpunkt Norden: Die Geografie der Infektion
Besonders im Fokus stehen derzeit vier Provinzen im Norden des Landes: Phayao, Lampang, Phitsanulok und das touristisch beliebte Chiang Mai führen die Negativliste an. Als geografischer Ausreißer im Nordosten kristallisiert sich zudem Ubon Ratchathani als ein weiteres Epizentrum heraus.
Die trügerische Stille vor dem Sturm
Obwohl die Fallzahlen in der letzten Woche leicht zurückgingen und sogar unter dem Vorjahresniveau lagen, gibt Dr. Montien keine Entwarnung. Im Gegenteil: Die aktuelle Kurve liegt signifikant über dem Fünfjahresdurchschnitt.
Das historische Muster der Influenza ist tückisch: Nach einem Anstieg zu Jahresbeginn folgt der eigentliche Peak meist zur Jahresmitte. Die Prognose für 2026 ist daher düster. Nachdem das Jahr 2025 bereits mit 1.194.342 Infektionen und 129 Toten endete, deuten die aktuellen Modelle darauf hin, dass 2026 diese Rekordwerte sogar noch übertreffen könnte.
Ein vermeidbares Risiko?
Dr. Direk Khampaen, stellvertretender Generaldirektor des DDC, warnt vor der Leichtfertigkeit im Umgang mit den Symptomen. Was als harmloser Schnupfen beginnt, kann bei Risikogruppen – Menschen über 60, Schwangeren oder Patienten mit Vorerkrankungen wie Krebs oder Nierenleiden – schnell in einer lebensgefährlichen Lungenentzündung enden.
Ein entscheidender Faktor bei den bisherigen Todesfällen: Die Mehrheit der Verstorbenen war nicht gegen Influenza geimpft. Die Behörden mahnen daher dringend zur Wachsamkeit und zur Einhaltung von Hygienemaßnahmen, da das Virus über Tröpfcheninfektion und kontaminierte Oberflächen lauert – bereit für die nächste Welle im Sommer.
STIN // AI