Während die Spannungen im Nahen Osten die globalen Märkte in Atem halten, schaltet die thailändische Regierung in den Krisenmodus – mit Erfolg. Phiphat Ratchakitprakarn, stellvertretender Premierminister und Direktor des Krisenzentrums für den Nahen Osten, trat am 13. März vor die Presse im Regierungsgebäude, um eine klare Botschaft zu senden: Thailands Energieversorgung steht auf sicherem Fundament.

Das Bollwerk gegen den Versorgungsengpass

Die nackten Zahlen beeindrucken. In einem entschlossenen Kraftakt hat das Königreich seine Rohölreserven massiv aufgestockt. Statt der bisherigen 92 Tage kann Thailand nun 98 Tage ohne Importe überbrücken. Dieser Puffer ist lebenswichtig, denn die geografische Abhängigkeit ist nach wie vor groß: Rund die Hälfte des thailändischen Rohöls passiert die strategisch sensible Straße von Hormuz im Persischen Golf.

Um das Risiko einer Blockade zu minimieren, verfolgt die Regierung unter Premierminister Anutin Charnvirakul eine Doppelstrategie:

  1. Diversifizierung: Die Verhandlungen über Ölkäufe außerhalb des Golf-Raums laufen auf Hochtouren.

  2. Die Russland-Option: Eine geopolitische Kehrtwende der USA spielt Thailand dabei in die Karten. Washington hat den Boykott gegen russische Rohölexporte aufgehoben – eine Chance, die Bangkok sofort ergreifen will. Das Energieministerium bereitet bereits konkrete Verhandlungen vor, um russisches Öl als strategisches Gegengewicht zu sichern.

Preisstabilität an der Zapfsäule

Trotz der drohenden „100-Dollar-Marke“ pro Barrel Rohöl versucht die Regierung, den Schock für die Bürger abzufedern.

„Wir müssen zulassen, dass sich die Preise schrittweise an den Markt anpassen, aber wir tun alles in unserer Macht Stehende, um die Not der Bevölkerung zu lindern“, betonte Phiphat.

Besonders im Fokus steht der Dieselpreis. Dieser bleibt zunächst bis zum 16. März gedeckelt, bevor eine Expertenkommission über das weitere Vorgehen entscheidet. Um den Transportsektor und die Logistikbranche zu schützen, liegt zudem ein Notfallplan für Biokraftstoffe in der Schublade:

  • Kurzfristig: Erhöhung des Biodieselanteils von B7 auf B10.

  • Langfristig: Eine Ausweitung auf B20 für Lastkraftwagen und Pick-ups, um die Abhängigkeit von fossilen Importen zu senken.

Fazit: Agieren statt Reagieren

Thailands Strategie ist eine Mischung aus diplomatischer Flexibilität und logistischer Vorsorge. Mit fast 100 Tagen Reserve und dem Blick auf neue Partner wie Russland signalisiert Bangkok Stärke in einer unsicheren Weltlage.

 

STIN // AI

Von stin

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