PHNOM PENH – Kambodscha steht am Rande eines massiven Versorgungsengpasses. Während die Konflikte im Nahen Osten die globalen Energiemärkte erschüttern, bereitet sich das südostasiatische Königreich auf einen drastischen Schritt vor: Rund 2.000 der landesweit 6.300 Tankstellen könnten in Kürze ihre Zapfsäulen trockenlegen.

Handelsministerin Cham Nimol schlug am 13. März Alarm. Die Regierung arbeitet unter Hochdruck an einer neuen Preisformel für den Einzelhandel, um den massiven Druck auf die Betreiber abzufedern. Das Kalkül hinter den drohenden Schließungen ist so simpel wie prekär: Viele Tankstellenbesitzer ziehen in Erwägung, den Betrieb vorübergehend einzustellen, um auf steigende Preise zu spekulieren und ihre Bestände erst dann zu verkaufen, wenn die Margen wieder rentabel sind.

Staatliche Jagd auf „Sprit-Horter“

Doch die Regierung in Phnom Penh warnt vor illegalen Praktiken. Spezialisten des Ministeriums wurden bereits entsandt, um den Markt lückenlos zu überwachen. Die Botschaft ist unmissverständlich: Wer Treibstoff hortet, statt ihn zu verkaufen, riskiert nicht nur drakonische Geldstrafen, sondern den sofortigen Entzug der Geschäftslizenz.

Sollten die Reserven tatsächlich zur Neige gehen, plant der Staat eine konzertierte Aktion mit dem Privatsektor, um zusätzliche Importe außer der Reihe zu sichern. Aktuell spüren die Verbraucher die Krise bereits deutlich im Geldbeutel: Zwischen dem 11. und 13. März kletterte der Preis für Normalbenzin auf 5.200 Riel (ca. 1,18 EUR), während Diesel mit 6.050 Riel (ca. 1,37 EUR) pro Liter zu Buche schlug.

Ein Erbe politischer Spannungen

Die aktuelle Misere ist jedoch nicht nur globalen Krisen geschuldet, sondern auch das Resultat regionaler Zerwürfnisse. Bereits im Juli letzten Jahres stoppte Premierminister Hun Manet infolge eines erbitterten Grenzstreits die Importe von raffiniertem Öl aus dem Nachbarland Thailand. Eine Entscheidung mit weitreichenden Folgen, denn Thailand war bisher der wichtigste Energielieferant.

Interessanterweise zeigt sich Bangkok von den kambodschanischen Sanktionen unbeeindruckt:

  • Exportvolumen: Thailand lieferte im Vorjahr 2,29 Milliarden Liter nach Kambodscha – immerhin 21,1 % seiner Gesamtexporte.

  • Ausweichstrategie: Laut dem thailändischen Energieministerium lassen sich die täglichen 6 Millionen Liter problemlos auf Märkte wie Singapur umleiten.

  • Gelassenheit bei PTT: Der Branchenriese PTT Oil and Retail Business sieht für seine 186 Stationen in Kambodscha kein langfristiges Risiko. Sollte der Exportmarkt stocken, drosseln Thailands Raffinerien schlicht die Produktion und ziehen Wartungsarbeiten vor.

Während Thailand also flexibel reagiert, bleibt Kambodscha im Würgegriff zwischen internationaler Instabilität und den Nachwehen eigener diplomatischer Härte. Ob die neue Preisformel der Ministerin ausreicht, um das drohende Tankstellensterben zu verhindern, bleibt abzuwarten.

 

STIN // AI

Von stin

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