BANGKOK – Die Wunde sitzt tief, und sie wird nicht heilen, solange an diesem Ort Stein auf Stein gesetzt wird. Fast ein Jahr nach dem verheerenden Einsturz des geplanten Hauptquartiers des staatlichen Rechnungsprüfungsamtes (SAO) im Bangkoker Viertel Chatuchak zieht die Behörde nun die Reißleine. Wie Sutthipong Boonnithi, stellvertretender Generalrechnungsprüfer und Sprecher des SAO, bekannt gab, wird das Projekt an der Einsturzstelle endgültig aufgegeben.

„Eine emotionale Wunde, die bleibt“

Es war der 28. März des vergangenen Jahres, als ein Erdbeben in Myanmar Schockwellen bis nach Thailand sandte und das im Bau befindliche Gebäude dem Erdboden gleichmachte. Doch für Sutthipong ist es mehr als nur eine statische Katastrophe – es ist ein moralisches Trauma. „Jedes Mal, wenn ich vorbeifahre, denke ich daran, dass dort einst ein Gebäude stand und dass 93 Menschen ihr Leben verloren haben, während drei noch immer vermisst werden“, gestand er sichtlich bewegt im Vorfeld des ersten Jahrestages.

Die Worte „Gebäudeeinsturz“ würden die Organisation lebenslang begleiten. Die Konsequenz: Das SAO wird den Pachtvertrag mit der thailändischen Staatsbahn kündigen und seinen Betrieb dauerhaft in den bestehenden Räumlichkeiten fortführen. Der Ort des Unglücks soll nicht länger Schauplatz von Ambitionen sein, sondern bleibt eine schmerzhafte Erinnerung an das Unfassbare.

49 Tage verzweifelte Suche

Das Drama, das sich innerhalb von Sekunden abspielte, zählt zu den tödlichsten Bauunfällen der jüngeren thailändischen Geschichte. Dutzende Arbeiter wurden unter den Trümmern begraben; viele von ihnen fanden den Tod in den Treppenhäusern – dort, wohin sie in ihrer letzten Hoffnung auf Schutz geflohen waren. Erst nach fast sieben Wochen intensiver, erschöpfender Suchbemühungen wurde die Rettungsaktion am 13. Mai 2025 offiziell eingestellt.

Die Schuldfrage: 75 Beamte im Fokus

Angesichts massiver öffentlicher Kritik bezog Sutthipong nun klar Stellung zur Verantwortlichkeit. Er stellte sich schützend vor die große Mehrheit der Belegschaft, nahm die Führungsebene jedoch in die Pflicht.

  • Die Verantwortlichen: Insgesamt 75 Beamte, darunter der Generalrechnungsprüfer, das Zentrale Verwaltungsbüro und Sutthipong selbst, trugen die Verantwortung für die Beschaffungs- und Vertragsprozesse.

  • Die Entlastung: Den über 3.000 weiteren Mitarbeitern des SAO, die ihren regulären Dienst verrichteten, sei keinerlei Vorwurf zu machen.

„Wir müssen betonen, dass die Verantwortung bei den 75 beteiligten Beamten liegt, nicht bei den fast 4.000 Mitarbeitern, die einfach nur ihre Aufgaben erfüllen“, so der Sprecher deutlich.


Dieser Fall hat in Thailand eine längst überfällige Debatte über die Reform des öffentlichen Beschaffungswesens und die Sicherheit staatlicher Infrastrukturprojekte entfacht. Während das SAO versucht, die organisatorischen Scherben aufzusammeln, bleibt für die Familien der Opfer nur die Trauer – und die bittere Erkenntnis Sutthipongs: „Das hätte niemals passieren dürfen.“

 

Redaktion STIN // CTN-Media

Von stin

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