Ein diplomatischer Drahtseilakt im Schatten des Krieges: Während die Welt auf die brennende Straße von Hormus blickt, gelingt einem thailändischen Öltanker die Flucht aus der Blockade. Doch der Preis für die Freiheit ist hoch – und wird in Yuan gezahlt.
TEHERAN / BANGKOK – Die Nachricht wirkte wie ein seltener Lichtblick in einer Region, die seit drei Wochen im Chaos versinkt. Ein Rohöltanker der thailändischen Bangchak Corporation hat die hochgradig umkämpfte Straße von Hormus sicher passiert. Dies bestätigte Außenminister Sihasak Phuangketkeow am Dienstag nach intensiven Verhandlungen mit Teheran und Maskat. Das Schiff, das seit dem 11. März im Persischen Golf festsaß, nimmt nun Kurs auf den Indischen Ozean. Erwartete Ankunft in Thailand: Anfang April.
Hinter der offiziellen Danksagung an den Iran und das Sultanat Oman verbirgt sich jedoch eine neue, knallharte Realität der maritimen Kriegsführung.
Freundschaft mit Preisschild
„Wir schätzen unsere Freundschaft und werden unsere Verbündeten niemals vergessen“, ließ die iranische Botschaft in Bangkok fast schon poetisch verlauten. Es ist eine Freundschaft, die bitter nötig ist: Erst kürzlich bekannte sich der Iran zu einem Raketenangriff auf den thailändischen Frachter Mayuree Naree. Während Diplomaten nun gemeinsam mit dem Oman versuchen, die drei noch an Bord befindlichen thailändischen Besatzungsmitglieder zu retten, etabliert das Korps der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) ein lukratives neues Geschäftsmodell.
Der Zwei-Millionen-Dollar-Korridor
Laut Berichten des Branchendienstes Lloyd’s List ist in den letzten Tagen ein „sicherer Korridor“ durch iranische Hoheitsgewässer entstanden. Doch der Passierschein ist kein Akt der Nächstenliebe. Die IRGC entwickelt derzeit ein Registrierungssystem, das für die Durchfahrt Gebühren von bis zu 2 Millionen US-Dollar pro Schiff vorsieht. Besonders brisant: Die Revolutionsgarden fordern die Zahlung laut Insiderberichten explizit in chinesischen Yuan.
Wer passieren will, muss sich nackt machen. Eigentumsverhältnisse, Ladungsdetails und Bestimmungsorte müssen vorab über Mittelsmänner an Teheran übermittelt werden. Bisher haben mindestens neun Schiffe – darunter Einheiten aus Indien, Pakistan und China – diesen Weg genutzt.
Die Straße der Geister
Die Zahlen verdeutlichen den Ernst der Lage:
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95 % Einbruch: Seit Beginn der Kampfhandlungen zwischen den USA, Israel und dem Iran vor drei Wochen ist der zivile Schiffsverkehr fast vollständig zum Erliegen gekommen.
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400 Schiffe im Wartestand: Vor der Meerenge stauen sich 150 Tanker und 120 Massengutfrachter.
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20 % des Welterdöls: Normalerweise passiert ein Fünftel des globalen Öltransports diese Nadelöhr.
Der iranische Außenminister Abbas Araghchi bemühte sich derweil um verbale Deeskalation. Die Straße sei „offen, aber für unsere Feinde geschlossen“, betonte er. Das klingt beinahe moderat im Vergleich zur vorangegangenen Drohung der Revolutionsgarden, jedes Schiff in der Wasserstraße schlicht in Brand zu setzen.
Für den thailändischen Tanker hat das Kalkül aus Diplomatie und mutmaßlichen Zugeständnissen funktioniert. Doch für die Weltwirtschaft bleibt die Straße von Hormus eine Geisel der Geopolitik – ein Ort, an dem Sicherheit zur teuren Ware geworden ist.
STIN // AI