Pattaya – Ein Schlag gegen das digitale Verbrechen in gigantischem Ausmaß: In einer koordinierten Doppel-Razzia hat die thailändische Polizei in Pattaya zwei hochprofessionelle Online-Glücksspiel-Netzwerke ausgehoben. Die Bilanz: 68 Festnahmen und ein jährliches Umsatzvolumen von schwindelerregenden 2,3 Milliarden Baht.

Es war ein Dienstag, der für Dutzende indische Staatsangehörige in den luxuriösen Villen des Tambon Nong Prue jäh endete. Was nach außen wie exklusives Wohnen im Bezirk Bang Lamung aussah, entpuppte sich hinter verschlossenen Türen als das Nervenzentrum eines global agierenden Glücksspiel-Imperiums.


Die Festung am Pool: Das 1,6-Milliarden-Baht-Büro

Die erste Operation führte die Beamten des Tourist Police Bureau zu einer zweistöckigen Villa, die alles andere als ein gewöhnliches Ferienhaus war. Über einen Monat lang hatten verdeckte Ermittler das Anwesen in der Nähe des Mabprachan-Stausees observiert – mit Informationen vom Boden und aus der Luft.

Auffällig waren die enormen Mengen an Lebensmitteln und Waren, die täglich angeliefert wurden, sowie ein mysteriöser Lieferwagen, der nach festem Zeitplan verkehrte. Als die Polizei mit einem Durchsuchungsbefehl des Provinzgerichts Pattaya das Gebäude stürmte, bot sich ihnen ein Bild von industrieller Effizienz:

  • Das Hauptquartier: Das gesamte Erdgeschoss war in ein hochmodernes Büro umfunktioniert worden.

  • Die Belegschaft: 43 Inder arbeiteten hier im Schichtbetrieb als Administratoren für insgesamt 23 ausländische Webseiten (darunter Namen wie clickbetexch1 und unicon360).

  • Das Equipment: 33 Computer, 50 Smartphones und 27 SIM-Karten wurden sichergestellt.

Laut Polizeioberst Man Rotthong fungierte ein Unbekannter, der nur als „AK“ bezeichnet wird, als Logistik-Kopf im Hintergrund. Mit einer monatlichen Miete von 120.000 Baht war die Villa über ein Jahr lang die Basis für ein Netzwerk, das täglich rund 200.000 Baht pro Standort generierte – ein Jahresumsatz von etwa 1,6 Milliarden Baht.


Tarnung in der Garage: Der 700-Millionen-Zweig

Nur kurze Zeit später schlug die Einwanderungsbehörde (Abteilung 3) ein zweites Mal zu. In einer weiteren Villa in derselben Gegend hatten die Drahtzieher versucht, ihre Spuren noch besser zu verwischen. Hier war die Garage zu einem vollverglasten, von außen uneinsehbaren Büro umgebaut worden.

In diesem „Glaskasten“ trafen die Ermittler auf 25 weitere indische Staatsangehörige, die in den Bereichen Marketing, Buchhaltung und Kundenservice tätig waren. Das Netzwerk betrieb mindestens drei große Plattformen, die alle auf die Endung „777“ hörten. Mit einem täglichen Umsatz von 5,6 Millionen Rupien steuerte dieser Zweig weitere 700 Millionen Baht zum jährlichen Gesamtumsatz bei.


Das juristische Nachspiel

Insgesamt wurden 80 Hardware-Gegenstände beschlagnahmt. Die 68 Verdächtigen, die allesamt mit Touristenvisa eingereist waren, sehen sich nun mit Anklagen wegen illegaler Arbeit und Verstößen gegen die Aufenthaltsbestimmungen konfrontiert. Sie wurden der Polizeistation Nong Prue zur weiteren Strafverfolgung übergeben.

Doch die Ermittlungen fangen gerade erst an: Die thailändischen Behörden haben angekündigt, die Jagd auf die Hintermänner und Finanziers zu intensivieren, um die Strukturen sowohl im Inland als auch auf internationaler Ebene endgültig zu zerschlagen.


Hintergrund: Der Fall unterstreicht die wachsende Problematik ausländischer krimineller Netzwerke, die Thailand als Basis für grenzüberschreitende Cyber-Kriminalität nutzen, während sie sich hinter der Fassade des Tourismus verstecken.

 

Redaktion STIN // CTN-Media

Von stin

Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest

0 Comments
Älteste
Neueste Meistbewertet
{title}
WP Twitter Auto Publish Powered By : XYZScripts.com