Die thailändische Regierung lässt die Dieselpreise von der Leine. Während Premierminister Anutin Charnvirakul die Bevölkerung auf harte Zeiten einstimmt, rücken Ermittler in den Raffinerien an, um Schmuggel im großen Stil zu verhindern.
BANGKOK – Es ist das Ende einer kostspieligen Ära: Premierminister Anutin Charnvirakul räumte heute unumwunden ein, dass die Entscheidung, die Obergrenze für Dieselpreise aufzuheben, die thailändische Öffentlichkeit mit voller Härte treffen wird. Nach Jahren der staatlichen Preisstabilität sollen künftig die unerbittlichen Mechanismen des freien Marktes über die Kosten an der Zapfsäule entscheiden.
Das 200-Millionen-Baht-Loch
Hinter der Entscheidung steckt eine einfache, aber dramatische Rechnung. Bisher stützte der staatliche Ölfonds den Dieselpreis massiv:
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Aktueller Preis (Bangkok): 32,94 Baht/Liter
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Subventionsanteil: ca. 37 Baht/Liter
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Tägliche Kosten für den Staat: Rund 200 Millionen Baht
Um den totalen Kollaps des Fonds zu verhindern, zieht die Regierung nun die Reißleine. Zwar stellte Anutin gezielte Hilfen für die Industrie, die Landwirtschaft und besonders bedürftige Gruppen in Aussicht, blieb konkrete Pläne jedoch schuldig. Brisant: Fragen zu Berichten über handfeste Auseinandersetzungen an Tankstellen in der Provinz Phrae, wo die Nerven der Autofahrer offenbar blank liegen, lehnte der Premier wortkarg ab.
Razzia gegen den „Diesel-Abfluss“
Während in Bangkok die Preise klettern, herrscht an der Küste Alarmbereitschaft. Justizminister Rutthapon Naowarat führte heute persönlich ein Aufgebot der Spezialeinheit DSI und des Verbraucherschutzes an, um die IRPC-Raffinerie in Rayong zu inspizieren.
Im Visier der Ermittler: Der sogenannte „Grüne Diesel“. Diese speziell für die Fischereiindustrie subventionierte Kraftstoffvariante ist aufgrund der gewaltigen Preisdifferenz zum Weltmarkt ein begehrtes Schmuggelgut.
„Wir müssen sicherstellen, dass dieser Kraftstoff dort bleibt, wo er hingehört – in den Tanks unserer Fischer – und nicht gewinnbringend ins Ausland geschleust wird“, betonte der Minister während der Kontrolle der Lagerbestände.
Angesichts der drohenden Preiswelle steht der Regierung ein heißer Frühling bevor. Der Spagat zwischen fiskalischer Vernunft und dem Erhalt des sozialen Friedens scheint derzeit so gewagt wie nie zuvor.
Redaktion STIN // CTN-Media