Ein drastischer Kursschwenk der thailändischen Regierung hat über Nacht die Kraftstoffpreise in die Höhe getrieben. Während der Staat die Notbremse bei den kostspieligen Preisdeckeln zieht, spielten sich an den Tankstellen des Landes dramatische Szenen ab.

Es war ein Erwachen mit Systemschock: Seit Donnerstagmorgen, Punkt 5 Uhr, ist der Alltag für Millionen Thailänder massiv teurer geworden. Die Einzelhandelspreise für Benzin und Diesel schossen um bis zu sechs Baht pro Liter in die Höhe. Besonders hart trifft es die Logistik und den Pendlerverkehr: Der Dieselpreis kletterte mit einem Schlag um satte 18 Prozent.

Die Nacht der langen Schlangen

Die Ankündigung des staatlichen Ölfonds kam kurzfristig am späten Mittwochabend und löste eine sofortige Massenbewegung aus. Landesweit bildeten sich kilometerlange Schlangen vor den Zapfsäulen. Jeder Liter, der noch zum alten Tarif gesichert werden konnte, zählte. Doch die Hoffnung vieler Autofahrer wurde enttäuscht: Hunderte Tankstellen mussten vorzeitig schließen, weil ihre Vorräte restlos erschöpft waren.

Was die Regierung zunächst als reine „Panikkäufe“ Einzelner abzutun versuchte, entpuppte sich schnell als systematisches Problem: Großangelegte Hamsterkäufe hatten die Reserven der Stationen innerhalb weniger Stunden leergefegt – und das trotz offizieller Beteuerungen, die nationalen Bestände seien gesichert.


Die neue Realität an der Zapfsäule

An den Stationen des Marktführers PTT spiegeln die neuen Preistafeln den harten Sparkurs wider:

  • Diesel (High-Speed): 38,94 Baht

  • B7-Premium-Diesel: 54,64 Baht

  • Benzin 95: 49,64 Baht

  • Gasohol 95 / 91: 41,05 Baht / 40,68 Baht

  • Gasohol E20: 36,05 Baht

Besonders drastisch ist der Wegfall der Unterstützung beim Bio-Sprit: Die Subvention für Gasohol E85 wurde komplett gestrichen (vorher 4,28 Baht).

Fiskalischer Kollaps: Warum der Deckel fiel

Die Entscheidung der Regierung war kein politischer Wille, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Der Krieg im Nahen Osten hatte die globalen Ölpreise derart befeuert, dass der staatliche Ölfonds allein in den letzten drei Wochen 20 Milliarden Baht verbrannte, um die Preise künstlich stabil zu halten.

Finanzminister Ekniti Nitithanprapas verteidigte den harten Schnitt: Die Preisobergrenzen hätten zu massiven Marktverzerrungen, Hortung und untragbaren Verlusten im Staatshaushalt geführt. Ein weiteres Halten des Deckels durch neue Kredite wurde als „nicht nachhaltig“ verworfen.

„Wir verfügen nur noch über einen Kreditspielraum von etwa 300 Milliarden Baht“, warnt Tim Leelahaphan, Ökonom bei Standard Chartered.

Zum Vergleich: Während der Energiekrise 2022 gab Thailand bereits 270 Milliarden Baht für Subventionen aus – Ressourcen, die nun schlicht fehlen.

Gezielte Hilfe statt Gießkanne

Statt die breite Masse zu subventionieren, setzt die Regierung nun auf selektive Unterstützung. Gezielte Hilfen sollen künftig nur noch denjenigen zugutekommen, die am stärksten unter dem Preisdruck leiden: einkommensschwache Verbraucher, Landwirte und das Transportgewerbe.

Für den thailändischen Durchschnittsbürger bedeutet dieser Donnerstag jedoch vor allem eines: Der Weg zur Arbeit und der Transport von Gütern ist über Nacht zu einem teuren Luxus geworden.

 

Von stin

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6 Comments
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Wolfgang Kempf
Wolfgang Kempf
4 Monate vor

Wir waren heute auch tanken, keine Schlange, aber unverschämter Preisanstieg bei 95 😡👎🙏

Wolfgang Kempf
Wolfgang Kempf
4 Monate vor
Antwort auf  stin

Ich habe gar kein Auto 😜🙏

Wolfgang Kempf
Wolfgang Kempf
4 Monate vor
Antwort auf  stin

Haha 😅 wieder falsch, ein Verwandter meiner Frau , hat ein Auto und fährt uns.
😜🙏

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