Ein Jahrzehnt der Flucht, eine menschliche Schutzmauer und Vorwürfe in Milliardenhöhe: Der Rechtsstreit um den einst mächtigsten Mönch Thailands, Phra Dhammajayo, findet ein abruptes Ende – nicht im Gerichtssaal, sondern durch die Verjährung.

Von dem Mann, der einst Zehntausende Gläubige mit einer Handbewegung dirigierte, fehlt jede Spur. Doch seit dem 20. März ist klar: Phra Dhammajayo, der charismatische und tief umstrittene Ex-Abt des gigantischen Wat Phra Dhammakaya, ist juristisch ein freier Mann. Wie das Department of Special Investigation (DSI) den Geschädigten mitteilte, hat die Sonderstaatsanwaltschaft die Verfahren wegen Geldwäsche und Hehlerei eingestellt. Der Grund ist so simpel wie ernüchternd: Die Taten sind verjährt.

Der Anfang vom Ende eines Imperiums

Die Saga begann im Jahr 2013, als die Fassade der Klongchan Credit Union Cooperative bröckelte. Mitglieder der Genossenschaft standen vor verschlossenen Schaltern; ihre Ersparnisse waren unauffindbar. Die Ermittler des DSI stießen bei der Verfolgung der Geldströme auf ein Netz aus Schecks, das direkt in das Herz des Dhammakaya-Tempels in der Provinz Pathum Thani führte.

Im Zentrum des Skandals: Suphachai Srisuphaaksorn, der damalige Präsident der Genossenschaft und gleichzeitig Schatzmeister des Tempels. Er soll rund 1,4 Milliarden Baht (ca. 35 Millionen Euro) veruntreut und in Form von Spenden an den Abt und sein religiöses Imperium weitergeleitet haben.

Belagerung und „Menschliche Schutzschilde“

Was folgte, war ein bizarres Katz-und-Maus-Spiel zwischen dem thailändischen Staat und einer religiösen Organisation, die wie ein Staat im Staate agierte.

  • 2016: Dhammajayo ignorierte mehrere Vorladungen. Die offizielle Begründung des Tempels: Der Abt sei zu krank, um zu gehen.

  • Juni 2016: Als Elite-Ermittler versuchten, den Tempel zu stürmen, standen sie einer Mauer aus Tausenden weiß gekleideten Anhängern gegenüber. Um ein Blutbad zu vermeiden, zogen sich die Behörden zurück.

  • Februar 2017: Die damalige Militärregierung griff zu drastischen Mitteln. Per Dekret wurde der Tempel zur „Sonderzone“ erklärt. Über 20 Tage lang durchkämmten Soldaten und Polizisten das riesige Areal, das für seine futuristische Architektur bekannt ist. Sie fanden Tunnel, Geheimgänge und einen verlassenen Krankensaal – doch von Dhammajayo keine Spur.

Vom Gottgleichen zum Gejagten

Die Konsequenzen für den Abt waren zunächst schwerwiegend. Ihm wurden sämtliche Titel und Ränge entzogen; kirchenrechtlich wurde er zum Laien degradiert. Unter seinem Geburtsnamen Chaiyaboon Sudhipol wird er seitdem weltweit gesucht, während Gerüchte über eine Flucht ins Ausland nie abrissen.

Ein bitterer Nachgeschmack für die Opfer

Die Entscheidung der Staatsanwaltschaft, die Akte Dhammajayo nun endgültig zu schließen, ist ein schwerer Schlag für die betroffenen Genossenschaftsmitglieder. Während die Drahtzieher im Hintergrund teils hinter Gittern landeten, bleibt der Mann, der die massiven „Spenden“ entgegennahm, für die Justiz unerreichbar – und nun auch unantastbar.

Das Kapitel Dhammajayo mag juristisch beendet sein, doch das Rätsel um seinen Verbleib bleibt eines der größten Mysterien der jüngeren thailändischen Geschichte.

 

Von stin

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