Eine neue Studie belegt: Digitale Plattformen sind in Südostasien weit mehr als nur ein technologischer Komfort. Für Millionen von Frauen werden sie zum Schlüssel für finanzielle Unabhängigkeit und brechen alte Rollenbilder auf. Bis 2025 könnten Fahrerinnen und Kurierinnen bei Grab einen wirtschaftlichen Wert von fast einer Milliarde US-Dollar generieren.

In den Straßen von Bangkok, Jakarta und Manila bahnt sich eine stille Revolution ihren Weg durch den Berufsverkehr. Was früher eine reine Männerdomäne war, wird zunehmend weiblich: Das Cockpit von Ride-Hailing-Fahrzeugen und der Sattel von Liefermopeds. Laut dem aktuellen Bericht „Frauen am Steuer: Wirtschaftliche Teilhabe von Frauen in Südostasien“ steht diese Entwicklung vor einem massiven Sprung. Bis zum Jahr 2025 könnten Frauen auf der Plattform Grab einen wirtschaftlichen Wert von 800 Millionen US-Dollar (rund 26 Milliarden Baht) erwirtschaften.

Die gemeinsam vom UN Global Compact Network Singapur, Grab und dem Marktforschungsinstitut Kantar veröffentlichte Studie basiert auf einer gigantischen Datenmenge: 42.000 Befragte aus sechs Ländern (Thailand, Indonesien, Malaysia, den Philippinen, Singapur und Vietnam) geben Einblick in eine Arbeitswelt, die sich fundamental wandelt.

Der Ausbruch aus der „Einkommens-Null“

Die Zahlen sind beeindruckend und alarmierend zugleich: 22 % der befragten Frauen hatten vor ihrem Einstieg bei der Plattform überhaupt kein regelmäßiges Einkommen. Damit ist der Anteil der „Neueinsteigerinnen“ in den Arbeitsmarkt bei Frauen 2,4-mal höher als bei Männern.

Warum entscheiden sich so viele Frauen für diesen Weg? Die Antwort liegt in der Überwindung traditioneller Barrieren. Für 59 % der Frauen war die starre Zeitstruktur herkömmlicher Jobs das größte Hindernis. In Haushalten, in denen die Last der unbezahlten Sorgearbeit oft noch ungleich verteilt ist, bietet die digitale Plattform die nötige Flexibilität, um Geldverdienen und familiäre Pflichten zu jonglieren.

Sicherheit als Währung

Trotz des Potenzials bleibt die Straße ein Pflaster, das Vertrauen erfordert. Über 75 % der Frauen nannten Sicherheit als ihr Hauptanliegen. Grab hat darauf mit einem technologischen Schutzwall reagiert:

  • AudioProtect: Akustische Überwachung während der Fahrt.

  • Selfie-Verifizierung: Identitätscheck für Fahrer und Gäste.

  • „Bevorzugte Fahrgäste“: Ein Feature, das Fahrerinnen gezielt weibliche Passagiere zuweist.

Der Erfolg gibt den Maßnahmen recht: 80 % der Fahrerinnen fühlen sich durch diese Funktionen sicher genug, um ihren Dienst anzutreten.

Qualität statt nur Quantität

Interessanterweise schlagen die Frauen ihre männlichen Kollegen oft in der B-Note. Cheryl Goh, Marketingleiterin bei Grab Holdings, betont, dass Fahrerinnen und Lieferpartnerinnen häufig bessere Serviceleistungen erbringen, höhere Nutzerbewertungen erhalten und im Schnitt sogar mehr Trinkgeld verdienen.

„Frauen sind eine der Gruppen mit dem größten Potenzial, die digitale Wirtschaft voranzutreiben“, so Goh. Das verdiente Geld fließe oft direkt in die Ausbildung der Kinder oder den Aufbau eigener kleiner Unternehmen.

Ein Werkzeug für die globale Agenda

Für David Fogarty vom UN Global Compact Network ist dieser Trend ein entscheidender Baustein für die UN-Agenda 2030. Digitale Plattformen seien ein Werkzeug, um langjährige Ungleichheiten zu nivellieren. Die Lebensqualität hat sich laut 80 % der Befragten durch die Plattformarbeit verbessert; 85 % würden den Job ihren Freundinnen empfehlen.

Das Fazit der Studie ist eindeutig: Die digitale Ökonomie fungiert in Südostasien als Katalysator für soziale Mobilität. Sie bietet 40 Millionen Frauen, die bisher als „ungenutztes Potenzial“ galten, eine reale Chance auf ein existenzsicherndes Einkommen – und das ganz ohne die Fesseln klassischer 9-to-5-Strukturen.

 

Von stin

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