CHONBURI, THAILAND – Es sind Bilder, die fassungslos machen und eine Debatte über Bürokratie und Menschlichkeit entfacht haben: In der thailändischen Provinz Chonburi sah sich der Bestatter Preecha zu einer makabren Geste gezwungen. Um die Einäscherung eines Verstorbenen sicherzustellen, fuhr er den Leichenwagen samt besetztem Sarg direkt an eine Tankstelle – als ultimativen Beweis gegen den Verdacht des Treibstoff-Hortens.

Der Kampf um 18 Liter Diesel

Alles begann mit einem Routinegang. Preecha, der seit 2005 im Dienst der Verstorbenen steht, wollte an einer Tankstelle an der Autobahn 344 in Ban Bueng einen 18-Liter-Kanister Diesel erwerben. Seit sein Tempel von traditioneller Holzbefeuerung auf moderne Dieselöfen umgestellt hat, ist der Treibstoff essenziell für die letzte Ehre.

Doch die Mitarbeiter blieben hart: Aufgrund strenger staatlicher Maßnahmen gegen Hamsterkäufe sei die Abgabe von Kraftstoff in Kanister strikt untersagt. Selbst die Erklärung, dass der Diesel für die Bestattung eines Verstorbenen aus einer einkommensschwachen Familie gedacht sei, stieß auf taube Ohren.

„Ich erklärte ihnen, dass wir auf Spenden angewiesen sind und der Treibstoff dringend für das Ritual benötigt wird“, so Preecha. „Doch die Regeln ließen keinen Spielraum.“

Ein Sarg als Beweismittel

Am nächsten Morgen kehrte der Bestatter zurück – doch diesmal nicht allein. Auf der Ladefläche befand sich der Sarg mit dem Leichnam, den er direkt aus dem Krankenhaus abgeholt hatte. Um jeden Zweifel an seiner Absicht auszuräumen, ging Preecha bis zum Äußersten: Er öffnete vor den Augen der Tankstellenmitarbeiter den Sarg.

Die Wirkung war prompt. Nach einer kurzen Rücksprache mit der Stationsleitung änderte das Personal seine Meinung. Innerhalb von zwei Minuten war der Kanister gefüllt, und die Einäscherung konnte wie geplant stattfinden.

Ein Appell an die Vernunft

Der Vorfall, der in den sozialen Medien zehntausendfach geteilt wurde, wirft ein Schlaglicht auf die harten Auswirkungen der aktuellen Treibstoffknappheit. Preecha nutzt die plötzliche Aufmerksamkeit für eine klare Botschaft an die Tankstellenbetreiber und Behörden:

  • Ausnahmen für religiöse Riten: Tempel sollten nicht unter die Anti-Hortungs-Gesetze fallen, wenn es um die Durchführung von Einäscherungen geht.

  • Unterstützung für Landwirte: Auch Bauern, die während der Erntezeit Treibstoff für ihre Maschinen benötigen, stünden vor ähnlichen existenziellen Problemen.

  • Menschlichkeit vor Bürokratie: Besonders bei bedürftigen Familien, die auf Spenden für die Brennstoffkosten angewiesen sind, dürften bürokratische Hürden den Abschied nicht noch schwerer machen.

In diesem Fall gab die Familie des Verstorbenen ihr Einverständnis für die ungewöhnliche Aktion an der Zapfsäule. Dank eines anonymen Spenders und Preechas unkonventionellem Einsatz konnte der Verstorbene schließlich in Würde seine letzte Reise antreten – nachdem er unfreiwillig noch einen letzten Stopp an der Autobahn 344 einlegen musste.

 

Redaktion STIN --> Austria // Thailand

Von stin

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