NAYPYIDAW – Es ist der finale Akt eines seit Jahren inszenierten Drehbuchs: General Min Aung Hlaing, der Mann, der Myanmar seit dem blutigen Putsch von 2021 mit eiserner Faust regiert, lässt die Uniform gegen den Zivilanzug tauschen. Am Montag wurde der mächtige Obergeneral offiziell von einem Abgeordneten im neu konstituierten Unterhaus als Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten nominiert. Damit ebnet sich der 68-Jährige den Weg zur offiziellen Staatsspitze eines Landes, das durch den anhaltenden Bürgerkrieg tief gezeichnet ist.

Ein Wahlsystem nach Maß

Der Nominierungsprozess gleicht einem präzise kalibrierten Uhrwerk der Macht. Das Unterhaus entsandte Min Aung Hlaing als einen von zwei Kandidaten; das Oberhaus wird ebenfalls einen Anwärter nominieren. Aus diesem Trio wählen beide Kammern in einer gemeinsamen Sitzung schließlich das neue Staatsoberhaupt. Dass der Termin für die entscheidende Abstimmung noch im Dunkeln liegt, passt ins Bild einer Militärführung, die den Rhythmus der Politik nach eigenem Belieben vorgibt.

„Obergeneral Min Aung Hlaing wird als Vizepräsidentschaftskandidat vorgeschlagen“, verkündete Kyaw Kway Htay, Abgeordneter der militärnahen Partei, schlicht. Die Live-Übertragung in den staatlichen Medien untermauerte die Unausweichlichkeit dieses Schrittes. Er folgt auf die umstrittenen Wahlen im Dezember und Januar – ein Urnengang, der inmitten von Gefechten stattfand und von den Vereinten Nationen sowie westlichen Regierungen als „demokratische Farce“ diskreditiert wurde.

Vom Putschisten zum „Zivilisten“

Seit dem Sturz der gewählten Regierung von Nobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi im Jahr 2021 versinkt Myanmar in Gewalt. Doch für Min Aung Hlaing scheint die Legitimierung seiner Herrschaft durch ein formelles Amt oberste Priorität zu haben. Analysten weisen darauf hin, dass die von der Armee selbst entworfene Verfassung von 2008 eine Hürde vorsah: Präsidentschaftskandidaten dürfen zum Zeitpunkt ihrer Nominierung weder aktive Soldaten noch Beamte sein.

Dass die Junta-Führung bereits letzte Woche eine „Umstrukturierung“ der geheimnisumwitterten Institution ankündigte, war das erste deutliche Signal für den anstehenden Rollenwechsel.

„Das war von Anfang an sein Ziel“, erklärt der unabhängige Analyst Htin Kyaw Aye. „Es ist schlicht der Wechsel vom Regieren als Militärführer zum Regieren als Präsident.“

Der Weg des rücksichtslosen Strategen

Min Aung Hlaings Aufstieg ist die Geschichte eines Mannes, der das System von innen heraus beherrscht. Geboren im Süden des Landes, studierte er Jura, bevor er die militärische Laufbahn einschlug und 2011 zum Armeechef aufstieg. Er gilt als rigider Taktiker, der die Eliten des Landes durch eine Mischung aus Patronage und drakonischen Strafen für Rivalen auf Linie hält.

Während das Land unter Sanktionen und internen Konflikten leidet, scheint der General nun am Ziel seiner persönlichen Ambitionen angekommen zu sein: Die Umwandlung der militärischen Diktatur in eine formalisierte Präsidialherrschaft unter seiner Führung.

 

Redaktion STIN --> Austria // Thailand

Von stin

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