Ein Milliardenloch klafft in den Kassen der thailändischen Krankenhäuser. Während die Politik neue Prestige-Programme lanciert, warnt Dr. Prapon Tangsrikiattikul vor einem drohenden Systemkollaps. Nun steht das Nationale Amt für Gesundheitssicherheit (NHSO) vor einem parlamentarischen Kreuzverhör.


Die 60-Milliarden-Baht-Lücke

Es sind alarmierende Zahlen, mit denen Dr. Prapon Tangsrikiattikul, Vorsitzender des Gesundheitsausschusses des Senats, am Sonntag die Öffentlichkeit aufrüttelte. Die Liquidität innerhalb des staatlichen Kliniksektors ist dramatisch eingebrochen: Von einst 80 Milliarden Baht auf nur noch 20 Milliarden. Dieser Fehlbetrag von 60 Milliarden Baht ist kein theoretisches Defizit – er entspricht fast exakt den Außenständen, die Krankenhäuser bei Pharmaunternehmen angehäuft haben.

Das „30-Baht-Programm“ am Limit

Im Zentrum der Kritik steht die NHSO, jene Behörde, die das „Universal Coverage Scheme“ (UCS) verwaltet – in Thailand besser bekannt als das 30-Baht-Goldkartenprogramm. Was auf dem Papier wie eine soziale Errungenschaft aussieht, entpuppt sich hinter den Kulissen als fiskalischer Albtraum für die Leistungserbringer.

Das Kernproblem ist laut Dr. Prapon eine veraltete und realitätsferne Berechnungsformel, die sogenannte „Adjusted Relative Weight“ (AdjRW).

„Die Krankenhäuser erhalten derzeit oft nur die Hälfte ihrer tatsächlichen Kosten erstattet. Den Rest müssen sie aus eigener Tasche decken, was zu einer Abwärtsspirale aus Verlusten und Schulden führt“, so der Senator.

Prestige-Projekte auf Kosten der Basis?

Besonders brisant: Während die Kernversorgung finanziell ausblutet, treibt die NHSO neue Initiativen voran. Das Programm für „innovative Gesundheitsdienstleistungen“, das private Kliniken und Apotheken einbindet, hat bereits 3,7 Milliarden Baht verschlungen – ohne dass hierfür zusätzliche Mittel bereitgestellt wurden. Dr. Prapon vermutet eine gefährliche Quersubventionierung: Gelder, die für den Betrieb der Krankenhäuser essenziell wären, könnten zugunsten dieser neuen Programme umgeleitet worden sein.

Showdown im Parlament

Am 9. und 10. April kommt es im Rahmen der Regierungserklärung zum parlamentarischen Schlagabtausch. Dr. Prapon fordert eine radikale Kehrtwende:

  • Transparenz-Offensive: Offenlegung aller Budgetverteilungsprozesse der NHSO.

  • Reform der Vergütung: Anpassung der AdjRW-Sätze an die realen Marktkosten.

  • Strukturreform statt Finanzspritzen: Bevor nach neuen Steuergeldern gerufen wird, müsse die über 20 Jahre alte Managementstruktur der NHSO modernisiert werden.

Der Appell des Senators ist unmissverständlich: In der aktuellen Wirtschaftslage ist Verschwendung tödlich. Sollten die Kliniken ihre Liquiditätskrise nicht überwinden, stehe nicht weniger als die Stabilität der gesamten nationalen Gesundheitsversorgung auf dem Spiel. „Wenn die Krankenhäuser nicht überleben können, wird das gesamte System zusammenbrechen“, warnt Dr. Prapon.

 

STIN // AI

Von stin

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