Bangkok – Wenn Thailand Mitte April in das traditionelle Songkran-Fest eintaucht, bleiben die Kochtöpfe in vielen Restaurants dieses Jahr wohl kühler als gewohnt. Während das Land normalerweise in eine rauschende Feier aus Wasser und Genuss versinkt, zeichnet der thailändische Restaurantverband ein düsteres Bild: Die Kombination aus globalen Krisen und schwindender Kaufkraft droht das wichtigste Fest des Jahres für viele Gastronomen zu verhageln.

Kriegsfolgen auf dem Teller

Der anhaltende Konflikt im Nahen Osten schlägt sich in Bangkok und den Provinzen direkt auf der Speisekarte nieder. „Lebensmittel sind oft das Erste, woran die Menschen sparen, wenn das Budget knapp wird“, erklärt Thaniwan Kulmongkol, Präsidentin des Verbandes. Die Rechnung ist simpel wie brutal: Steigende Treibstoffpreise treiben die Rohstoffkosten unaufhaltsam nach oben. Ein prominentes Beispiel ist das für die thailändische Küche essenzielle Palmöl, dessen Preis pro Liter binnen kurzer Zeit von 40 auf 51 Baht hochgeschnellt ist.

Zweiklassen-Gastronomie: Überlebenskampf der Kleinen

In der Branche klafft die Schere immer weiter auseinander:

  • Die Großen: Mittelgroße und große Betriebe mit solidem Cashflow haben ihre Lager bereits vor der Preiswelle gefüllt. Dank kluger Bevorratung können sie die Preise auf den Speisekarten stabil halten und die schwindenden Margen abfedern.

  • Die Kleinen: Für Garküchen und Familienbetriebe ist die Lage existenzbedrohend. Ohne Rücklagen sind sie den täglichen Schwankungen der Rohstoffpreise schutzlos ausgeliefert. Der Verband warnt eindringlich: Vielen droht der Gang zum Kredithai, um den täglichen Betrieb überhaupt aufrechtzuerhalten.

Trendwende beim Konsum: Convenience statt Curry

Zwar rechnet die thailändische Tourismusbehörde (TAT) mit Gesamteinnahmen von rund 30 Milliarden Baht – ein Plus von 6 % gegenüber 2025 – doch dieser Geldregen erreicht nicht jeden. Während kaufkräftige Individualtouristen in den Hotspots die Verluste teilweise ausgleichen, sieht es in den ländlichen Regionen düster aus.

Die Thailänder selbst ziehen die Notbremse. Wer verreist, spart beim Essen: Statt im etablierten Restaurant landet man in Imbisshallen oder deckt sich direkt im Convenience-Store ein. „Songkran wird dieses Jahr weniger festlich ausfallen“, prognostiziert Thaniwan nüchtern.


Ruf nach staatlicher Schützenhilfe

Um den freien Fall der Umsätze zu stoppen, kämpft der Verband massiv für die Wiederbelebung des „Khon La Khrueng Plus“-Programms. Das bewährte Zuzahlungssystem, bei dem der Staat die Hälfte der Rechnung in lokalen Geschäften übernimmt, gilt als letzter Rettungsanker, um die Kauflust der Einheimischen wieder zu entfachen.

Ohne diese staatliche Finanzspritze, so die Befürchtung, könnte das diesjährige Wasserfest für viele Gastronomen eine sehr trockene Angelegenheit werden – zumindest in der Kasse.

 

STIN // AI

Von stin

Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest

0 Comments
Älteste
Neueste Meistbewertet
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
{title}
WP Twitter Auto Publish Powered By : XYZScripts.com