BANGKOK / SEOUL – Er galt als Geist, als Ertrunkener, als einer der meistgesuchten Männer Südostasiens. Doch am Dienstag endete das Versteckspiel von Thapanan alias „Noo Chen“ spektakulär auf dem Rollfeld des Flughafens Suvarnabhumi. In Handschellen und unter massiver Bewachung wurde der 43-Jährige direkt nach seiner Abschiebung aus Südkorea der Weltpresse präsentiert.

Hinter der Festnahme steht die Demontage eines kriminellen Imperiums, das laut dem Büro des Narcotics Control Board (ONCB) zeitweise für bis zu 30 % des gesamten thailändischen Drogenhandels verantwortlich war.


Vom Kleinkriminellen zum Kartellboss

Die kriminelle Karriere des Thapanan liest sich wie der Prototyp eines sozialen Abstiegs mit globalen Folgen:

  • 2000–2002: Einstieg als drogenabhängiger Kleinstdealer an der Srinagarindra Road.

  • Der Aufstieg: Durch Kontakte zu ethnischen Gruppierungen im Grenzgebiet ließ er eigene Plantagen errichten.

  • Das Netzwerk: Über ein Jahrzehnt hinweg schleuste sein Kartell Millionen von Speed-Pillen (Yaba) und über eine Tonne Crystal Meth nach Thailand.

Insgesamt sammelten die Behörden im Laufe der Jahre eine Rekordzahl von 60 Haftbefehlen gegen ihn.

Der Tod, der keiner war

Bereits 2009 schien das Netz über ihm zusammenzubrechen, als er mit 26.000 Speed-Pillen gefasst wurde. Doch während des laufenden Berufungsverfahrens gelang ihm die Flucht ins Ausland.

Der dramatischste Wendepunkt ereignete sich Ende 2022: Gerüchte verbreiteten sich, Thapanan sei in Myawaddy ermordet und seine Leiche in den Moei-Fluss geworfen worden. Das organisierte Verbrechen schien einen seiner Köpfe verloren zu haben. Doch die thailändische Einwanderungspolizei blieb skeptisch – eine Intuition, die sich auszahlte.

„Er hat versucht, die gesamte Justiz mit seinem eigenen Tod zu täuschen, während er aus dem Schatten heraus sein Imperium weiterführte“, so ein Ermittler während der Pressekonferenz.

Die globale Jagd endet in Südkorea

Nachdem er seinen eigenen Tod vorgetäuscht hatte, führte Thapanans Fluchtroute ihn quer durch Asien. Er versteckte sich in Laos, Vietnam und Japan, bevor er schließlich in Südkorea untertauchte. Dort klickten am Montag die Handschellen.

Für die thailändischen Behörden ist die Festnahme ein massiver Schlag gegen den regionalen Drogenhandel. Auf den Kopf des Barons war eine Belohnung von einer Million Baht ausgesetzt. Nun wartet auf den Mann, der sich einst für tot erklärte, die harte Realität der thailändischen Justiz.

 

STIN // AI

Von stin

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