BANGKOK – In einem beispiellosen Kraftakt gegen die wirtschaftlichen Verwerfungen der Nahost-Krise hat die thailändische Regierung ein Machtwort gesprochen: Ab morgen sinkt der Dieselpreis direkt an den Raffinerien um satte 2 Baht pro Liter. Damit reagiert das Königreich auf „unnormale“ Gewinnmargen der Ölindustrie, während die Bevölkerung unter explodierenden Lebenshaltungskosten ächzt.
Am heutigen 8. April 2026 schuf die Veröffentlichung in der Royal Gazette vollendete Tatsachen. Die Verordnung des Energierats (CEPA) ist ein direkter Angriff auf die Preisspirale, die durch die geopolitischen Spannungen zwischen den USA, Israel und dem Iran befeuert wurde.
Die „Gerechtigkeits-Lücke“: Wenn Krisen Gewinne melken
Energieminister Akanat Promphan ließ in der Sendung „Morning Wealth“ keinen Zweifel an der Dringlichkeit der Maßnahme. Es war seine erste Sitzung als CEPA-Vorsitzender – und er nutzte sie für einen Paukenschlag.
Die Analyse des Ministeriums deckte eine schockierende Diskrepanz auf: Während die Rohölpreise weltweit um etwa 50 % stiegen, explodierten die Preise für raffiniertes Öl förmlich um fast 300 % auf astronomische 292 US-Dollar pro Barrel.
„Dieses Niveau spiegelt nicht mehr die realen Kosten wider“, stellte Akanat klar.
Besonders brisant: Die Bruttomargen der Raffinerien waren im März auf durchschnittlich 7 Baht pro Liter geklettert – ein Vielfaches des Fünfjahresdurchschnitts von 2,4 Baht. Selbst wenn man kriegsbedingte Zusatzkosten für Fracht und Versicherung großzügig einpreist, blieb den Konzernen ein „Überschussgewinn“ von 2 bis 3 Baht pro Liter, der nun direkt an die Verbraucher zurückgegeben wird.
2 Baht weniger: Der neue Mechanismus
Statt wie üblich nur auf den staatlichen Öl- und Treibstofffonds zu setzen, griff die Regierung tief in den Werkzeugkasten der Notstandsgesetzgebung. Gestützt auf ein Dekret zur Treibstoffknappheit von 1973 wurde der Preis ab Raffinerie für alle gängigen Sorten (B0, B7 und B20) gekappt.
Für die Autofahrer bedeutet das: An den Zapfsäulen sinken die Preise für B7 und B20 sofort um 2,14 Baht pro Liter (inklusive Mehrwertsteuer).
Raffinerien im Fadenkreuz
Die Maßnahme trifft die sechs thailändischen Raffinerien dort, wo es weh tut: beim Umsatz. Bei einem täglichen Absatz von bis zu 80 Millionen Litern Diesel rechnet der Staat damit, monatlich rund 4 bis 5 Milliarden Baht an Übergewinnen von der Industrie zur Bevölkerung umzuleiten.
Forderungen nach einer Senkung der Dieselsteuer (aktuell 6 Baht) erteilte Akanat eine Absage. Seine Logik: Der Verzicht auf Staatseinnahmen würde Löcher in die Sozialbudgets für Bedürftige reißen. Die Umverteilung der Raffinerie-Margen sei hingegen der „fairste Ansatz“, bei dem alle Unternehmen proportional zu ihrem Marktanteil Verantwortung übernehmen.
Düstere Prognose für den Mai
Trotz der aktuellen Entlastung ist die Lage ernst. Während die Versorgung für den April gesichert scheint, warnt der Minister vor einem harten Mai. Die Beschaffung von Rohöl werde zunehmend schwieriger.
Thailands Antwort auf die globale Erpressbarkeit:
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Biokraftstoffe statt Importe: Da Ethanol und Biodiesel derzeit günstiger sind als teures Import-Öl, soll der Umstieg auf B20 massiv forciert werden.
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Solar und Biomasse: Um die Abhängigkeit vom extrem teuren Flüssigerdgas (LNG) zu senken, wird der Ausbau erneuerbarer Energien im Stromsektor radikal beschleunigt.
„Wir müssen uns auf das Schlimmste vorbereiten“, so das Fazit des Ministers. Die heutige Preissenkung ist somit nicht nur eine finanzielle Entlastung, sondern ein strategisches Signal: In Zeiten der Krise steht die Energiesicherheit der Nation über den Profiten der Industrie.
STIN // AI