PATTAYA – Es sollte der Höhepunkt des thailändischen Neujahrsfestes sein, doch für zwei Urlauber endete die ausgelassene Stimmung in einem brutalen Albtraum. Inmitten der pulsierenden Soi 6, nur einen Steinwurf vom Strand Pattayas entfernt, entlud sich am 13. April eine erschreckende Welle der Gewalt, die das Image der „Stadt der Sünden“ als gastfreundliches Tourismus-Mekka schwer erschüttert.
Von der Wasserpistole zur Massenschlägerei
Was als harmloser Songkran-Spaß begann, kippte innerhalb von Sekunden. Laut Augenzeugenberichten feierten zwei ausländische Touristen das Festival stilecht mit Wasserpistolen. Als sie dabei eine Gruppe lokaler Motorradtaxifahrer (Win) nass spritzten – eigentlich der Kern des Songkran-Brauchtums –, schlug die Stimmung augenblicklich um. Was mit wüsten Beschimpfungen und einer hitzigen verbalen Auseinandersetzung begann, gipfelte in einer hemmungslosen Jagdszene.
Ein im Netz kursierendes Video hält den Moment fest, der derzeit in den sozialen Medien für Entsetzen sorgt:
-
Mehrere Männer in den charakteristischen orangefarbenen Westen stürzen sich auf einen Touristen.
-
Mit gezielten Tritten und Schlägen wird das Opfer traktiert, bis es schutzlos zu Boden geht.
-
Ein zweiter Ausländer, der todesmutig versucht, seinem Freund zur Hilfe zu eilen, gerät sofort selbst ins Visier der Angreifer und wird ebenfalls attackiert.
Besonders verstörend: Während die Fäuste flogen, feierten zahlreiche Umstehende in unmittelbarer Nähe ungerührt weiter, als gehörten die Gewaltexzesse zum Unterhaltungsprogramm der Straße.
Ein Schatten über dem „Land des Lächelns“
Die Reaktionen im Internet ließen nicht lange auf sich warten. Die Kritik ist vernichtend. Viele Nutzer fragen sich, wie es möglich ist, dass ein Fest, das weltweit als Symbol für thailändische Herzlichkeit beworben wird, in solch rohe Gewalt umschlagen kann. Experten warnen bereits vor den langfristigen Folgen für den Tourismussektor in Chon Buri. Vorfälle wie dieser nähren die Angst, dass Thailands Sicherheitsversprechen gegenüber internationalen Besuchern Risse bekommt.
Ermittlungen ohne Opfer
Die rechtliche Lage gestaltet sich derzeit jedoch schwierig. Die Polizeistation von Pattaya bestätigte zwar den Vorfall, steht aber vor einem Rätsel: Bisher hat keines der Opfer Anzeige erstattet. Möglicherweise aus Angst oder dem Wunsch heraus, den Urlaub trotz des Traumas fortzusetzen, blieben die Geschädigten den Behörden fern.
„Wir werden das Videomaterial akribisch auswerten und alle verfügbaren Informationen sammeln, um den Sachverhalt lückenlos aufzuklären“, so ein Sprecher der Ermittlungsbehörden. Sobald die Identität der Angreifer feststeht, sollen rechtliche Schritte eingeleitet werden – auch ohne formelle Anzeige der Touristen.
Konsequenzen für die Feiertage
Wie die Daily News berichtet, haben die Behörden auf den Vorfall reagiert und eine verstärkte Überwachung der touristischen Brennpunkte angeordnet. In den verbleibenden Tagen der Songkran-Feierlichkeiten soll die Präsenz der Sicherheitskräfte massiv erhöht werden, um sicherzustellen, dass Wasserpistolen die einzigen „Waffen“ auf den Straßen Pattayas bleiben.
Der Fall bleibt eine mahnende Erinnerung daran, wie dünn die Decke der Zivilisation an den Hotspots des Massentourismus manchmal sein kann – selbst während eines Festes, das eigentlich der Reinigung und dem Neubeginn gewidmet ist.
STIN // AI