Während die thailändischen Autofahrer vor leeren Zapfsäulen verzweifelten, witterten hinter den Kulissen einflussreiche Ölhändler das ganz große Geschäft. Was wie ein logistischer Albtraum aussah, entpuppt sich nun als ein kühl kalkulierter Coup. Die Polizei und die Abteilung für Sonderermittlungen (DSI) haben den Druck massiv erhöht und Vorladungen gegen acht von zehn verdächtigen Unternehmen erlassen. Der Vorwurf: Systematisches Ölhording zur Gewinnmaximierung – auf dem Rücken der Bevölkerung.
Das Timing des Misstrauens
Die Ermittlungen decken ein Muster auf, das kaum zufälliger sein könnte. Zwischen dem 21. und 25. März herrschte landesweite Treibstoffknappheit. Nur einen Tag später, am 26. März, peitschte der Exekutivausschuss des Öl- und Treibstofffonds eine massive Preiserhöhung von sechs Baht pro Liter durch.
Polizeigeneral Thatchai Pitaneelaboot, stellvertretender nationaler Polizeichef, legte die Karten auf den Tisch: Die Daten zeigen eine künstliche Verknappung. Während im Normalbetrieb täglich zwei Millionen Liter Diesel und Gasohol fließen, tröpfelten in den Tagen vor der Erhöhung deutlich geringere Mengen aus den Depots. Doch pünktlich am 25. März – unmittelbar vor dem Preissprung – schossen die Liefermengen plötzlich über die Zwei-Millionen-Marke hinaus.
Die Strategien der Gier: Drei Wege zum Profit
Die Ermittler identifizierten drei kriminelle Taktiken, mit denen der Markt manipuliert wurde:
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Künstliche Verknappung: Drei Branchenriesen und zwei Zwischenhändler drosselten ihre Lieferungen an die Endkunden massiv, obwohl die Vorräte vorhanden waren.
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Geisterflotte auf Warteposition: Ein Öltanker, beladen mit 7,9 Millionen Litern Diesel und Raffinerieprodukten, lag tagelang untätig auf See vor Anker. Die Ermittler sind überzeugt: Das Schiff wartete absichtlich auf die offizielle Bekanntgabe der Preiserhöhung, um die Fracht mit einem Schlag wertvoller zu machen.
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Verschwundene Konvois: Rund 2,1 Millionen Liter Treibstoff verließen zwar die Depots, kamen aber nie an den Tankstellen an. Bei 15 verdächtigen Fahrten wurden die GPS-Systeme der Lkw schlicht abgeschaltet – die Ladungen wurden vermutlich umgeleitet oder zwischengelagert.
Illegale Lager und dubiose Manöver
Die Razzien der Ermittler förderten zudem abenteuerliche Praktiken zutage. In Rayong, im Bezirk Nikhom Pattana, flog ein Händler auf, der Bunkeröl aus einem stillgelegten, nicht genehmigten Tank verkaufte. In Samut Sakhon stießen Beamte in einem Lager für Flüssigerdgas auf 40.000 Liter Diesel, die dort illegal gehortet wurden.
Auch die Marine schaltet sich ein. Admiral Thadawut Thatphithakkul meldete ungewöhnliche Verzögerungen bei insgesamt 20 Tankerfahrten. Diese Schiffe erreichten ihre Ziele mit ein bis zwei Tagen Verspätung – ein zeitlicher Verzug, der im hochgetakteten Ölgeschäft ohne technischen Defekt als klares Indiz für Spekulation gewertet wird.
„Diese Praktiken waren kein Zufall, sondern eine gezielte Operation im Vorfeld der Preiserhöhung“, so das bittere Fazit der Ermittler.
Für die betroffenen Unternehmen wird es nun ernst: Die Vorladungen des DSI markieren den Beginn eines juristischen Tauziehens, das die dunklen Seiten des thailändischen Energiemarktes ans Licht bringen könnte. Den Verantwortlichen drohen drakonische Strafen für die Manipulation eines nationalen Notstands.
Redaktion STIN // CTN-Media