KOH KHAM YAI — Es ist ein Bild, das man so wohl nirgendwo sonst auf der Welt findet: Lachende Männer, die Frauen behutsam durch den weichen Sand heben, um sie unter dem Jubel der Menge in die sanften Wellen des Golfs von Thailand zu tragen. Am Samstag verwandelte sich die idyllische Insel Koh Kham Yai im Bezirk Si Chang erneut in eine Bühne für eines der charmantesten und lebendigsten Kulturerlebnisse Südostasiens: die Tradition des „Frauen-ins-Meer-Tragens“.

Ein Erbe aus der Zeit der Könige

Während der Rest Thailands das Songkran-Fest meist mit gigantischen Wasserschlachten feiert, bewahrt man sich auf Koh Si Chang eine ganz eigene Identität. Die Zeremonie, offiziell als „Wan Lai Koh Kham“ bekannt, ist kein moderner Marketing-Gag. Ihre Wurzeln reichen über ein Jahrhundert zurück bis in die Ära von König Chulalongkorn (Rama V.).

Gouverneur Narit Niramaiwong eröffnete die Feierlichkeiten am Strand von Koh Kham Yai persönlich. Für die Besucher bedeutete das Event bereits vorab ein kleines Abenteuer: Die Anreise führt per Boot vom Jarin Pier in Si Racha aus etwa 45 Minuten über das offene Meer, bis die Silhouette der Inselgemeinde im Unterbezirk Tha Thewawong am Horizont erscheint.


Mehr als nur ein Badespaß: Respekt und Vergebung

Hinter dem spektakulären Anblick des „Wassertragens“ verbirgt sich ein tief verwurzeltes soziales Gefüge. Die Inselgemeinschaft ist seit Generationen von der Fischerei geprägt; die Männer verbringen oft Monate auf See. Songkran ist die Zeit der Heimkehr.

  • Der Akt des Tragens: Männer – von Jugendlichen bis hin zu Senioren – bitten die Frauen höflich um Erlaubnis, sie ins Wasser zu heben. Dabei werden Segenswünsche für das neue Jahr ausgesprochen.

  • Ehrerbietung: Es sind nicht nur junge Paare; oft tragen Jüngere ihre älteren Verwandten ins Meer, um Respekt zu zollen und um Vergebung für vergangene Fehler zu bitten.

  • Spirituelles Rahmenprogramm: Bevor der Tragespaß beginnt, wird der Tag traditionell mit Verdienstritualen, Almosenspenden und dem rituellen Waschen von Buddha-Statuen eingeleitet. Sandpagoden werden errichtet, und bei Ruderwettbewerben sowie dem skurrilen „Wasserboxen“ messen die Einheimischen ihre Kräfte.

Internationaler Magnet ohne Berührungsängste

Was dieses Fest im Jahr 2026 so besonders macht, ist die Offenheit der Insulaner. Die Hemmschwelle für Touristen existiert schlichtweg nicht. Auch in diesem Jahr ließen sich zahlreiche ausländische Besucherinnen ohne Zögern auf den Armen der Einheimischen ins kühle Nass tragen.

„Es ist eine Quelle des Stolzes für uns,“ erklären die Bewohner von Koh Si Chang. „Dass Menschen aus der ganzen Welt kommen, um diese Tradition mit uns zu teilen, zeigt, dass unsere Kultur auch in einer modernen Welt ihren festen Platz hat.“

Die „Wan Lai Koh Kham“ ist längst mehr als ein Geheimtipp. Sie ist ein lebendiges Denkmal thailändischer Gastfreundschaft, das beweist, dass man die wertvollsten Traditionen am besten bewahrt, indem man sie gemeinsam mit Fremden feiert – und sie dabei buchstäblich auf Händen trägt.

 

STIN // AI

Von stin

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