In den verschlossenen Korridoren der myanmarischen Hauptstadt Naypyidaw regt sich diplomatischer Optimismus – oder zumindest das, was das Militärregime unter diesem Label verkauft. Nach Jahren totaler Isolation und juristischer Härte gegen die demokratische Ikone Aung San Suu Kyi hat Myanmars Staatschef Min Aung Hlaing nun erstmals eine mögliche Erleichterung angedeutet.


Ein geheimnisvolles Versprechen

Der thailändische Außenminister und stellvertretende Premierminister Sihasak Phuangketkeow kehrte am Mittwoch von einer brisanten Mission aus Myanmar zurück. Im Gepäck hatte er eine Botschaft, die Beobachter weltweit hellhörig werden lässt:

„Der Präsident sagte, dass sie gut versorgt werde und die Regierung von Myanmar gute Dinge erwäge“, berichtete Sihasak nach seinem Treffen mit dem General, der nach den jüngsten, international umstrittenen Wahlen offiziell das Präsidentenamt übernommen hat.

Details blieb Min Aung Hlaing schuldig. Dennoch wertete Sihasak die vage Ankündigung vor seiner Rückreise nach Thailand vorsichtig als „positives Signal“.

Fünf Jahre in der Isolation

Für die inzwischen 80-jährige Friedensnobelpreisträgerin ist es ein Wettlauf gegen die Zeit. Suu Kyi befindet sich seit nunmehr einem halben Jahrzehnt in Haft. Der Kontakt zur Außenwelt ist nahezu vollständig gekappt; selbst engste Familienmitglieder berichten von einer Mauer des Schweigens und nur sporadischen Informationen über ihren Gesundheitszustand.

Dass die Militärjunta nun eine sanftere Tonart anschlägt, könnte strategischer Natur sein:

  • Politisches Tauwetter? Letzte Woche begnadigte Min Aung Hlaing bereits Win Myint, Suu Kyis langjährige Vertraute und ehemalige zeremonielle Präsidentin.

  • Legitimitätssuche: Nach den Wahlen versucht die Regierung unter Min Aung Hlaing verstärkt, die diplomatische Isolation zu durchbrechen.

  • Humanitärer Druck: Das hohe Alter der Inhaftierten macht ihren Verbleib hinter Gittern zu einer wachsenden Belastung für das Image des Regimes.

Ein Wendepunkt?

Ob den „guten Dingen“ Taten folgen, bleibt abzuwarten. In der Vergangenheit nutzte die Führung in Naypyidaw solche Ankündigungen oft als diplomatisches Faustpfand, ohne substanzielle Änderungen herbeizuführen. Doch die Begnadigung Win Myints und die direkten Worte gegenüber dem thailändischen Nachbarn schüren die Hoffnung, dass die wohl berühmteste Gefangene der Welt bald mehr als nur eine „gute Versorgung“ erwarten darf.

 

Redaktion STIN // CTN-Media

Von stin

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