BANGKOK – In einer Zeit wachsender geopolitischer Instabilität setzt Thailand alles auf eine Karte: Die geplante Landbrücke im Süden des Landes soll nicht nur die Geografie des Welthandels neu ordnen, sondern Thailand als unverzichtbaren Sicherheitsanker positionieren, falls die Straße von Hormuz zur Sackgasse wird.

Verkehrsminister Phipat Ratchakitprakarn verdeutlichte am Samstag auf einer Versammlung der Bhumjaithai-Partei die immense strategische Tragweite des Vorhabens. Während die Welt mit Sorge auf die Spannungen im Nahen Osten blickt, sieht Phipat in der potenziellen Blockade globaler Schifffahrtswege eine historische Chance für das Königreich.

Die Landbrücke: Mehr als nur eine Abkürzung

Das ambitionierte Projekt, dessen Kosten auf rund 997 Milliarden Baht (ca. 25 Milliarden Euro) taxiert werden, sieht eine massive logistische Verbindung zwischen der Andamanensee und dem Golf von Thailand vor. Tiefseehäfen in Ranong und Chumphon sollen durch eine hochmoderne Schienen- und Straßeninfrastruktur verknüpft werden.

Phipat reagierte damit auf Bedenken von Premierminister Anutin Charnvirakul, der eine fortlaufende Prüfung des Projekts gefordert hatte. Für Phipat ist die Notwendigkeit jedoch klarer denn je:

„Wir müssen die Situation als Chance begreifen. Wenn die Straße von Hormuz fällt, wird Thailand zur entscheidenden Brücke, die die Weltmeere miteinander verbindet.“

Frontalangriff auf die Kritiker

Ein häufiger Kritikpunkt lautet, das Entladen, Transportieren und erneute Beladen der Container würde zu viel Zeit kosten. Phipat wies dies entschieden zurück und griff auf eine detaillierte Analyse der Logistikströme zurück:

  • Umschlag ist der Standard: Über 90 % des weltweiten Containerverkehrs sind ohnehin „Umschlaggut“. Waren reisen selten direkt von A nach B, sondern werden in Hubs gesammelt und neu verteilt.

  • Konkurrenz für Singapur: Phipat argumentierte, dass dieser Prozess in Thailand nicht länger dauere als im aktuellen Logistik-Zentrum Singapur. Das Ziel sei es, die Transitfrachtströme aktiv nach Thailand umzuleiten.

Investoren gesucht: Staat gibt Land, Private das Kapital

Trotz der astronomischen Kosten von einer Billion Baht betonte der Minister, dass der thailändische Steuerzahler nicht direkt zur Kasse gebeten wird. Das Modell sieht vor:

  1. Staatliche Leistung: Bereitstellung von Landflächen und Vergabe von Konzessionen.

  2. Private Investitionen: In- und ausländische Investoren sollen den Bau und Betrieb finanzieren.

Die Ausschreibungen werden für globale Akteure geöffnet sein, wobei die Investoren selbst entscheiden können, welcher Teilbereich zuerst entwickelt wird.

Der Zeitplan steht: Entscheidung im Sommer

Der Fahrplan für das Mammutprojekt ist eng getaktet:

  • Mai: Erneute Inspektion des Gebiets durch den Verkehrsminister.

  • Juni/Juli: Offizieller Kabinettsvorschlag zur Genehmigung.

  • 3. Quartal: Erwarteter Startschuss für die ersten Investitionsschritte.

Dialog gegen Widerstand

Phipat ist sich der harten Opposition vor Ort und durch NGOs bewusst. Er kündigte an, persönlich mit den lokalen Gemeinschaften in den Dialog zu treten, um „Fehlinformationen“ entgegenzuwirken. Ein umfassendes Environmental and Health Impact Assessment (EHIA) soll zudem sicherstellen, dass ökologische und gesundheitliche Standards gewahrt bleiben.

Thailand steht an der Schwelle zu einer neuen Ära. Wenn Phipats Vision aufgeht, wird das Land nicht mehr nur ein Urlaubsparadies sein, sondern das logistische Rückgrat des globalen Handels im 21. Jahrhundert.

 

Redaktion STIN // CTN-Media

Von stin

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