NAKHON RATCHASIMA, Thailand – Es war ein Raubüberfall wie aus einem schlechten Actionfilm, doch die Realität hinter der Tat ist eine bizarre Mischung aus digitaler Verlockung und totalem sozialen Absturz. Nur acht Stunden nach einem dreisten Überfall auf ein Goldgeschäft in der Provinz Nakhon Ratchasima klickten für zwei junge Chinesen in Bangkok die Handschellen. Die Beute: Goldschmuck im Wert von fast einer Million Baht. Der Grund für die Tat? Ein angebliches Guthaben von umgerechnet gerade einmal 50 Cent.
Jagd durch das Königreich: Zugriff in Sukhumvit
Die Ermittler fackelten nicht lange. Bereits am späten Montagnachmittag stellten Spezialeinheiten die Verdächtigen – den 27-jährigen Zou Qintao und den erst 19-jährigen Song Haolong – in einer Autovermietung im belebten Bangkoker Stadtteil Sukhumvit 77.
Bei der Durchsuchung sicherten die Beamten die Beweislast der Tat:
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44 Goldringe
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24 Paar Goldohrringe
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Gesamtwert: Rund 800.000 Baht (ca. 24.500 US-Dollar)
Der Überfall: Hammer, Masken und eine Schusswaffe
Die Szenen, die sich am Montagmorgen im Stadtteil Dan Kwian abspielten, ließen den Angestellten des betroffenen Goldgeschäfts das Blut in den Adern gefrieren. Zwei Männer, maskiert mit schwarzen Sturmhauben und gekleidet in dunkle Langarmhemden, stürmten den Laden. Während einer die Angestellten mit einer Schusswaffe in Schach hielt, zertrümmerte der andere mit einem Hammer die gläserne Vitrine. Nach dem blitzartigen Zugriff rasten sie in einem Mietwagen in Richtung der Chok-Chai-Kreuzung davon – ein Fluchtversuch, der dank moderner Überwachungstechnik nur wenige Stunden währen sollte.
Die dubiose Drohnen-Falle
Was die Verdächtigen in den ersten Vernehmungen zu Protokoll gaben, klingt wie eine Warnung vor den dunklen Ecken des Internets. Laut Pol. Lt. Col. Prachya Nimala behaupteten die Männer, sie seien Opfer eines massiven Rekrutierungsbetrugs geworden.
„Die Verdächtigen gaben an, im Internet für die Reparatur von Drohnen angeworben worden zu sein. Man versprach ihnen ein astronomisches Honorar von 40.000 US-Dollar pro Einheit“, so der stellvertretende Superintendent.
Doch statt High-Tech-Werkstätten erwartete sie eine Odyssee durch thailändische Grenzgebiete. Immer wieder erhielten sie neue GPS-Koordinaten, die sie tiefer in entlegene Regionen führten. Als sie aus Angst die Weiterreise verweigerten, standen sie plötzlich ohne finanzielle Mittel da. Am Ende, so beteuerten sie, besaßen sie nur noch 20 Baht – zu wenig für eine Mahlzeit, geschweige denn für ein Flugticket zurück in die Heimat.
Ein missglückter Testlauf und traumatische Folgen
Die Ermittlungen ergaben zudem, dass der Überfall in Dan Kwian kein spontaner Einfall war. Bereits am 26. April hatten die beiden Männer versucht, ein Geschäft im Bezirk Ban Lueam auszurauben, brachen das Vorhaben jedoch im letzten Moment ab. Den nun geglückten Raub nutzten sie sofort zur Liquiditätsbeschaffung: Einen kleinen Teil der Beute hatten sie bereits für 16.800 Baht versilbert, bevor die Polizei sie schnappte.
Während die Polizei den Erfolg feiert, sitzt der Schock beim Ladenbesitzer Surasak Jirawongpaisan tief. Er lobte zwar die Effizienz der Behörden, betonte aber die psychischen Folgen für sein Team: „Meine Angestellten sind traumatisiert. Wir werden unsere Sicherheitsvorkehrungen massiv verschärfen müssen.“
Das juristische Nachspiel
Für Zou Qintao und Song Haolong endet das „Abenteuer Thailand“ hinter Gittern. Die Liste der Anklagepunkte ist lang: bewaffneter Raubüberfall unter Einsatz eines Fluchtfahrzeugs. Am Dienstagnachmittag mussten die beiden Verdächtigen unter den Augen der Ermittler und zahlreicher Schaulustiger ihre Tat am Tatort nachstellen – ein übliches Prozedere im thailändischen Strafrecht, das den Schlusspunkt hinter einen der rasantesten Kriminalfälle der letzten Monate setzt.
Redaktion STIN // CTN-Media