Ein korrupter Beamter im Herzen der Hauptstadt und ein Netzwerk aus kriminellen Helfern: Eine großangelegte Razzia deckt auf, wie staatenlose Personen systematisch zu Thailändern „gemacht“ wurden. Die Behörden ziehen nun Konsequenzen – denn die Spur führt bis in das Milieu der organisierten Kriminalität.


Der Zugriff im Morgengrauen

Es war ein koordinierter Schlag gegen die Korruption im Staatsapparat: Am gestrigen 29. April stürmten Spezialeinheiten der Nationalen Antikorruptionskommission (NACC), der Abteilung für Sonderermittlungen (DSI) und weiterer Behörden zeitgleich vier Objekte in Bangkok. Das Ziel: Ein Netzwerk, das Identitäten wie Massenware gehandelt haben soll.

Im Zentrum des Skandals steht ein Standesbeamter des Bezirksamts Thon Buri. Er soll seine Befugnisse missbraucht haben, um Geburtsurkunden für staatenlose Personen zu fälschen und ihnen so den illegalen Zugang zur thailändischen Staatsbürgerschaft zu ebnen. Gemeinsam mit ihm klickten bei fünf weiteren Verdächtigen – mutmaßliche Komplizen und Vermittler – die Handschellen.

Systematischer Betrug im Meldeamt

Die Ermittlungen kamen ins Rollen, nachdem das Ministerium für Provinzverwaltung (DOPA) Unregelmäßigkeiten in den Registern des Bezirks entdeckt hatte. Die Auswertung der Daten offenbarte ein kriminelles Muster:

  • Die Gruppe 1: Ein operativer Beamter der Registrierungsabteilung, der Dokumente fälschte und seine Amtsposition für Bestechungsgelder missbrauchte.

  • Die Gruppe 2: Fünf zivile Helfer, die als Bindeglied zwischen den „Kunden“ und dem Beamten fungierten und die logistische Abwicklung der Fälschungen unterstützten.

Bei den Durchsuchungen in den Privatwohnungen und im Meldeamt stellten die Beamten umfangreiches Beweismaterial sicher, das den Verdacht der organisierten Urkundenfälschung erhärtet.

Gouverneur Chadchart kündigt Reformen an

Bangkoks Gouverneur Chadchart Sittipunt reagierte prompt auf den Vorfall. Er bestätigte, dass es sich bei dem Hauptverdächtigen um einen Mitarbeiter der operativen Ebene handelt, betonte jedoch die Schwere des Vertrauensbruchs.

„Wir müssen prüfen, ob unsere aktuellen Verfahren einzelnen Beamten bei der Validierung von Geburtsurkunden zu viel Macht einräumen“, so Chadchart.

Der Gouverneur hat bereits Vizegouverneur Chakkapan Phewngam angewiesen, sämtliche Genehmigungsprozesse in allen 50 Bezirken Bangkoks unter die Lupe zu nehmen. Besonders Gebiete mit einer statistisch auffällig hohen Anzahl an Neuregistrierungen stehen nun unter Beobachtung. Um zukünftigen Missbrauch zu verhindern, plant die Stadtverwaltung die Einführung eines Vier-Augen-Prinzips: Statt eines einzelnen Sachbearbeiters soll künftig ein Gremium über die Ausstellung von Staatsbürgerschaftsdokumenten entscheiden.

Die dunkle Spur nach China

Der Fall in Bangkok scheint nur die Spitze des Eisbergs zu sein. Parallel dazu erschüttert ein ähnlicher Skandal die Provinz Nakhon Ratchasima. Dort erstattete ein Bürgermeister Anzeige gegen eigene Mitarbeiter.

Der Verdacht wiegt schwer: Beamte sollen dort Ausländern zu illegalen thailändischen Identitäten verholfen haben. Besonders brisant ist, dass viele dieser „Neubürger“ mutmaßlich Verbindungen zur organisierten Kriminalität in China pflegen. Die thailändischen Sicherheitsbehörden prüfen nun, ob es landesweite Netzwerke gibt, die die nationale Sicherheit durch den Verkauf von Identitätspapieren gefährden.

 

 

Redaktion STIN // CTN-Media

Von stin

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