Die Regierung von Anutin Charnvirakul stemmt sich mit massiven Krediten und Konsumprogrammen gegen die globale Energiekrise. Während der Nahostkonflikt die Weltwirtschaft in Geiselhaft nimmt, versucht Bangkok den Spagat zwischen Nothilfe und struktureller Modernisierung.

Bangkok steht unter Zugzwang. Die Schockwellen des Iran-Krieges haben das Königreich erreicht und drohen, die thailändische Wirtschaft im Würgegriff extremer Ölpreise zu ersticken. Angesichts einer dramatisch einbrechenden Inlandsnachfrage arbeitet das Kabinett unter Premierminister Anutin Charnvirakul unter Hochdruck an einem Rettungsschirm, der das Land vor dem Schlimmsten bewahren soll.

Das 500-Milliarden-Baht-Paket: Konsum auf Rezept

Vizepremierminister Ekniti Nitithanprapas ließ die Katze aus dem Sack: Die Regierung plant, kurzfristig zusätzliche 500 Milliarden Baht (rund 12,7 Milliarden Euro) über Kredite aufzunehmen. Das Ziel ist eine radikale Stützung und gleichzeitige Umstrukturierung der Wirtschaft.

Herzstück der Maßnahmen ist die Wiederbelebung des populären Zuzahlungsprogramms („Co-pay Plus“). In Zeiten galoppierender Lebenshaltungskosten soll das Modell den Konsum direkt an der Ladenkasse stimulieren:

  • Direkthilfe: Jeder Berechtigte erhält über vier Monate insgesamt 4.000 Baht.

  • Reichweite: 20 bis 30 Millionen Thailänder sollen profitieren.

  • Hebelwirkung: Vinit Visessuvanapoom, Generaldirektor des Büros für Finanzpolitik (FPO), betont den Multiplikator-Effekt. Da die Bürger einen Teil selbst beisteuern, könnten bereits 40 Milliarden Baht an Staatsgeldern das BIP um 0,7 Prozentpunkte nach oben treiben – ein weitaus effektiveres Instrument als reine Einmalzahlungen.

Düstere Prognosen: Der Preis des Krieges

Doch trotz der Milliarden-Offensive bleibt der Horizont wolkenverhangen. Das Finanzministerium musste seine Wachstumsprognose für 2026 bereits von 2,0 auf 1,6 Prozent korrigieren. Die Zahlen des FPO lesen sich wie ein Krisenbarometer:

  • Ölpreis-Terror: Rohöl der Sorte Dubai wird im Schnitt bei 91 US-Dollar pro Barrel erwartet, mit Spitzen von bis zu 104,2 US-Dollar.

  • Tourismus-Delle: Die Prognose für das Gesamtjahr wurde auf 33,5 Millionen Besucher nach unten korrigiert. Bereits im ersten Quartal sanken die Ankünfte um 2,4 Prozent – eine direkte Folge der globalen Unsicherheit.

  • Währungsdruck: Der Baht wird voraussichtlich bei 32 zum US-Dollar notieren, was den Exportsektor zusätzlich fordert.

Keine Stagflation – aber höchste Alarmbereitschaft

Trotz der Inflation, die von 0,3 auf die Zielmarke von 3,0 Prozent hochgeschnellt ist, wehrt sich das Finanzministerium gegen das Schreckgespenst der „Stagflation“. „Unsere Investitionsbasis ist stark, die Finanzstabilität hoch“, versichert Vinit Visessuvanapoom. Man sei vorbereitet, zu verhindern, dass „eine Krise die nächste auslöst“.

Neben dem „Co-pay Plus“-Programm bastelt die Regierung bereits an „Thai Helps Thai Plus“ und einer neuen Runde staatlicher Sozialkarten. Dabei soll vor allem die Effizienz im Vordergrund stehen – jeder Baht muss sitzen.

Die Flucht nach vorn: Solar statt Öl

Interessant ist der strategische Schwenk der Regierung: Die aktuelle Energiekrise soll als Katalysator für die Energiewende dienen. Geplant sind:

  • Steuervergünstigungen für Solaranlagen auf Hausdächern.

  • Sonderzinsen für Investitionen in grüne Energie.

  • Infrastruktur-Modernisierung, um die Abhängigkeit von fossilen Importen langfristig zu brechen.

Experten warnen vor dem langen Atem

Während die Politik Optimismus verbreitet, mahnen Ökonomen zur Vorsicht. Yuthana Sethapramote von der NIDA University warnt vor der massiven Verschuldung der privaten Haushalte. „Steigende Preise ziehen das Geld direkt aus den Taschen der Menschen“, so Sethapramote. Die Hoffnung ruht auf einem baldigen Ende des Konflikts im Nahen Osten und der Wiederöffnung der Straße von Hormus. Sollte der Krieg jedoch eskalieren, drohe Thailand eine handfeste Rezession.

Vorerst setzt Bangkok auf die Flucht nach vorn: Mit Großinvestitionen und staatlich subventioniertem Konsum will man die Zeit überbrücken, bis sich der Pulverdampf am Golf verzieht. Es ist eine Wette gegen die Zeit und die globalen Ölpreise.

 

Redaktion STIN // CTN-Media

Von stin

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