BANGKOK – Was als Marathon geplant war, entwickelte sich binnen weniger Stunden zum politischen Sprint: Eine landesweite Kampagne gegen das gigantische „Landbrücken“-Projekt der Regierung hat die notwendige Hürde für eine offizielle Petition nicht nur genommen, sondern förmlich überrannt. Während die Organisatoren mit Wochen rechneten, antwortete die thailändische Öffentlichkeit in einer einzigen Nacht.

Ein digitaler Ansturm über Nacht

Am Dienstagmorgen gab die Umweltschutzorganisation Environmental Law Foundation (EnLAW) den Startschuss für ihre Kampagne „Stop SEC Act & Land Bridge“. Das Ziel auf der Plattform stop-sec.com war klar formuliert: 50.000 Unterschriften bis zum 30. Juni, um das gesetzlich vorgeschriebene Quorum für eine Eingabe an die Regierung zu erreichen.

Doch die Resonanz war gewaltig:

  • Dienstagabend, 21:00 Uhr: Bereits 59.864 Menschen hatten unterzeichnet – das Ziel war nach nur wenigen Stunden erreicht.

  • Heute Vormittag, 10:53 Uhr: Der Zähler schoss auf 72.648 Unterschriften hoch.

„Diese Zahlen sind ein unmissverständliches Signal“, erklärt Supaporn Malailoy, Managerin von EnLAW. „Der Widerstand ist längst keine rein lokale Angelegenheit der Gemeinden im Süden mehr. Er zieht sich quer durch das ganze Land.“ Angesichts der Dynamik erwartet die Stiftung bis Ende Juni nun weit über 100.000 Unterstützer.


Das Projekt: Logistik-Traum oder Öko-Albtraum?

Hinter dem Streit steht eines der ambitioniertesten Infrastrukturvorhaben Thailands. Die sogenannte Chumphon–Ranong-Landbrücke soll eine 109 Kilometer lange Verbindung zwischen dem Golf von Thailand und der Andamanensee schaffen.

Die Vision der Regierung:

  • Alternative zur Straße von Malakka: Eine neue Handelsroute für den Weltseeverkehr.

  • Logistik-Hub: Positionierung Thailands als zentrales Drehkreuz in Südostasien.

  • Infrastruktur-Mix: Bau von zwei Tiefseehäfen, einer zweigleisigen Eisenbahnstrecke und einer modernen Fernstraße.

Die Kritik der Umweltschützer: EnLAW und ihre Mitstreiter warnen vor den irreparablen Folgen dieses „Mega-Projekts“. Sie kritisieren insbesondere die großflächige Landgewinnung und den Bau der Tiefseehäfen, die sensible lokale Ökosysteme und unberührte Grünflächen in den Provinzen Chumphon, Ranong, Surat Thani und Nakhon Si Thammarat zerstören könnten.

Politische Weichenstellung

Obwohl das Kabinett das Projekt bereits 2018 grundsätzlich genehmigt hat, wächst der zivile Druck nun massiv. Die gesammelten Unterschriften sollen dazu genutzt werden, alternative Vorschläge direkt in den Gesetzgebungsprozess des „Southern Economic Corridor“ (SEC) einzubringen.

Für die Regierung unterstreicht der plötzliche Aktivismus ein Dilemma: Während man die wirtschaftliche Zukunft in Beton und Stahl gießen will, formiert sich online eine neue Generation von Widerstand, die den ökologischen Preis nicht mehr klaglos zahlen will. Die Petition bleibt bis zum 30. Juni geöffnet – das politische Beben hat jedoch gerade erst begonnen.

 

STIN // AI

Von stin

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