BANGKOK – Die Nachricht von Bord des unter niederländischer Flagge fahrenden Kreuzfahrtschiffs MV Hondius sorgte international für Bestürzung: Auf der Route von Argentinien nach Kap Verde kam es zu einem dramatischen Ausbruch des Hantavirus. Drei Passagiere verloren ihr Leben. Während weltweit Besorgnis aufkam, meldet sich nun eine der gewichtigsten Stimmen der thailändischen Wissenschaft zu Wort, um die Wogen zu glätten.

„Kein Grund zur Panik“: Dr. Yong ordnet die Lage ein

Dr. Yong Poovorawan, Koryphäe der Royal Academy und Leiter des Exzellenzzentrums für klinische Virologie an der Chulalongkorn-Universität, wandte sich heute via Facebook direkt an die thailändische Öffentlichkeit. Seine Botschaft ist deutlich: Trotz der tragischen Vorfälle auf hoher See besteht für die Bevölkerung in Thailand derzeit ein verschwindend geringes Infektionsrisiko.

Der Experte betont, dass das Hantavirus für Thailand kein Unbekannter ist – man habe es hier bereits vor über einem halben Jahrhundert nachgewiesen. Entscheidend sei jedoch die Genetik: Das Virus, das nun auf dem Kreuzfahrtschiff wütete, gehöre einer völlig anderen Spezies an als jene Stämme, die in Südostasien zirkulieren.

Nagetiere als Reservoir: Die Gefahr lauert im Staub

Dr. Yong lieferte zudem einen tiefen Einblick in die Virologie. Das Hantavirus (Gattung Orthohantavirus) nutzt Nagetiere als Reservoirwirte. In Thailand wurde der Erreger bereits bei Tieren wie der Nasenbeutlerratte nachgewiesen.

„Menschen infizieren sich in der Regel durch den Kontakt mit Körperflüssigkeiten wie Urin, Speichel oder Kot von Nagetieren“, erklärt Dr. Yong. Besonders tückisch: Auch das Einatmen von virusbelastetem Feinstaub kann zur Infektion führen.

Untersuchungen zeigten bereits in der Vergangenheit, dass bestimmte Personengruppen in Thailand – insbesondere Landwirte oder Menschen mit engem Kontakt zu Nagetier-Habitaten – Antikörper gegen lokale Varianten gebildet haben.

Ein Erreger mit Geschichte

Der Name „Hanta“ ist historisch aufgeladen und leitet sich vom Hanta-Fluss in Südkorea ab. Dr. Yong erinnerte daran, dass das Virus kurz nach dem Koreakrieg entdeckt wurde. Er selbst befasste sich bereits während seiner Zeit als Medizinstudent mit dem Erreger, was die lange Erfahrung der thailändischen Forschung mit diesem Krankheitsbild unterstreicht.


Hintergrund: Die zwei Gesichter des Virus

Medizinisch wird das Hantavirus je nach klinischem Verlauf in zwei gefährliche Syndrome unterteilt:

  1. HFRS (Hämorrhagisches Fieber mit renalem Syndrom): Führt häufig zu Nierenversagen und schweren inneren Blutungen.

  2. HPS (Hantavirus-Lungen-Syndrom): Eine schwere Atemwegserkrankung, die oft einen rasanten und lebensbedrohlichen Verlauf nimmt.

Obwohl die Ereignisse auf der MV Hondius eine tragische Mahnung für die internationale Schifffahrt darstellen, sieht Dr. Yong Thailand bestens gerüstet und sieht keine Basis für eine übermäßige Sorge innerhalb der thailändischen Grenzen.

 

Redaktion STIN // CTN-Media

Von stin

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