Hinter den Kulissen des ASEAN-Gipfels in Cebu fliegen die diplomatischen Fetzen. Während Thailand das Ende des umstrittenen „MoU 44“ besiegelt, wirft Außenminister Sihasak dem Nachbarn Kambodscha unlautere Verhandlungstricks und eine Verzerrung der Tatsachen vor.
CEBU/BANGKOK – Es sind klare Worte, die keinen Raum für diplomatische Interpretationen lassen: Thailand ist offiziell aus dem Memorandum of Understanding von 2001 (MoU 44) über die gemeinsamen Seegrenzen ausgestiegen. Was wie ein technischer Verwaltungsakt klingt, entwickelt sich zu einem hochbrisanten Polit-Krimi zwischen den beiden Nachbarstaaten.
Das Ende einer Ära: Anutin stellt Hun Manet zur Rede
In einem vielbeachteten Facebook-Statement räumte der thailändische Spitzenpolitiker Anutin Charnvirakul nun mit den Gerüchten auf, Kambodscha sei nicht ordnungsgemäß informiert worden. Am Rande des ASEAN-Gipfels habe er den kambodschanischen Premierminister Hun Manet persönlich und direkt mit der thailändischen Entscheidung konfrontiert.
Die Reaktion aus Phnom Penh fiel unterkühlt aus. „Der kambodschanische Premierminister nahm die Entscheidung zur Kenntnis und erklärte, er sei von Thailands Vorgehen enttäuscht“, so Anutin. Hun Manet habe daraufhin klargestellt, dass seinem Land nun keine andere Wahl bleibe, als ein obligatorisches Schlichtungsverfahren im Rahmen des UN-Seerechtsübereinkommens (UNCLOS) einzuleiten.
Taktische Spielchen? Bangkok rügt Phnom Penh
Während kambodschanische Medien – darunter die Phnom Penh Post – bereits den Sieg der eigenen Diplomatie feiern und behaupten, Thailand habe einer UN-Schlichtung bereits zugestimmt, fährt Bangkoks Außenminister Sihasak Phuangketkeow schwere Geschütze auf. Er weist diese Berichte entschieden zurück und bezichtigt die Gegenseite der Manipulation.
Sihasak bezeichnete die kambodschanische Berichterstattung als Teil eines „Verhandlungsstils“, der darauf abziele, sich bereits vor dem Start echter Gespräche einen strategischen Vorteil zu verschaffen. Seine Analyse ist scharf:
„Thailand hat sich stets offen und aufrichtig verhalten, doch von kambodschanischer Seite fehlt es weiterhin an Aufrichtigkeit.“
UNCLOS als neuer Rahmen – aber zu thailändischen Bedingungen
Zwar unterstützt Thailand den Übergang zum UN-Seerechtsrahmen, doch Außenminister Sihasak stellt klare Bedingungen auf. Er betont, dass eine „obligatorische Schlichtung“ keineswegs automatisch erfolge. Der Prozess sieht folgende Hierarchie vor:
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Direkte bilaterale Verhandlungen: Vorrang für Gespräche auf Augenhöhe.
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Einvernehmlichkeit: Andere Mechanismen greifen erst bei Scheitern der Verhandlungen und erfordern die Zustimmung beider Parteien.
Vertrauen als wertvollste Währung
Der thailändische Außenminister stellte zudem klar, dass in Cebu keinerlei Zusagen gemacht wurden. Bevor man über komplexe Grenzziehungen oder Landgrenzen sprechen könne, müsse erst das Fundament – das gegenseitige Vertrauen – wiederhergestellt werden. Davon sei man aktuell jedoch noch weit entfernt.
Sihasak appellierte an die thailändische Öffentlichkeit, der Regierung zu vertrauen: Die nationalen Interessen würden nicht geopfert. Das Ziel sei eine Lösung, die beiden Ländern dient, statt eines diplomatischen Tauziehens, bei dem eine Seite versucht, die Ergebnisse der Gespräche zum eigenen Vorteil zu verzerren.
Redaktion STIN // CTN-Media