BANGKOK – Es ist ein Angebot, das die Machtverhältnisse im asiatischen Schiffbau nachhaltig verschieben könnte: Der spanische Rüstungsriese Navantia greift im Wettbewerb um die neue Fregatte der Königlich Thailändischen Marine zu einer radikalen Strategie. Statt fertige Schiffe aus Europa zu liefern, schlagen die Spanier vor, das gesamte Kriegsschiff zu 100 % auf thailändischem Boden zu fertigen.

Ein „Rundum-Sorglos-Paket“ für Bangkok

Am 8. Mai verwandelte sich das Bangkok Marriott Hotel in eine Bühne für maritime Ambitionen. Jose Ignacio Navas Rubio, Navantias Regionaldirektor für Asien, präsentierte dort einen sogenannten „risikoarmen“ Vorschlag. Der Kernpunkt: Navantia liefert nicht nur Stahl und Baupläne, sondern das gesamte technologische Rückgrat.

Während die thailändischen Werften die Schweißbrenner führen, übernimmt das spanische Unternehmen die Konstruktion, die technische Aufsicht sowie die hochkomplexe Integration und Prüfung der Systeme.

„Unser Ziel ist es, die Beteiligung lokaler Akteure zu maximieren“, betonte Rubio. „Wir wollen Thailands Fähigkeiten im modernen Marineschiffbau nicht nur ergänzen, sondern auf ein neues Level heben.“


Aufstieg zur regionalen Schiffbau-Macht?

Die thailändische Industrie reagiert mit Begeisterung auf die Avancen aus Madrid. Suradet Tanpaiboon, Präsident des nationalen Schiffbau- und Reparaturverbandes, sieht das Land am Vorabend einer neuen Ära. Laut Tanpaiboon sei die heimische Industrie bereit, Verantwortung in den Bereichen Fertigungstechnik, technische Anpassung und Qualitätskontrolle zu übernehmen.

Der wahre Schatz des Deals liegt jedoch im Wissenstransfer. Das Projekt soll als Katalysator dienen, um:

  • Die lokale Lieferkette massiv auszubauen.

  • Know-how für zukünftige Eigenentwicklungen von Hightech-Schiffen zu generieren.

  • Thailand langfristig als ernstzunehmenden Akteur im militärischen Schiffbau zu etablieren.


Ein Wettlauf der Giganten

Doch Navantia ist nicht allein auf Kurs. Die Spanier befinden sich in einem harten Sechskampf um den begehrten Auftrag. Die Konkurrenz liest sich wie das „Who is Who“ der globalen Rüstungsindustrie:

Bieter Herkunftsland
Navantia Spanien
Hyundai Heavy Industries Südkorea
Hanwha Ocean Südkorea
Singapore Technologies Engineering Singapur
ASFAT Türkei
TAIS Gemi Türkei

Die Stunde der Entscheidung

Momentan glühen in der thailändischen Marine die Köpfe. Ein spezielles Komitee prüft die eingegangenen Dossiers akribisch. Dabei geht es um weit mehr als nur den Preis: Technische Kapazitäten und industrielle Ausgleichspakete stehen ebenso im Fokus wie die geopolitische Tragweite der Partnerschaften.

Die Entscheidung wird in etwa einem Monat erwartet. Sollte Navantia den Zuschlag erhalten, wäre dies nicht nur ein Sieg für die spanische Wirtschaft, sondern der Startschuss für eine industrielle Revolution in thailändischen Werften.

 

Redaktion STIN // CTN-Media

Von stin

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