PHUKET – Ein donnerndes Machtwort am weißen Sand von Bang Tao: Thailands Innenminister und stellvertretender Premierminister Anutin Charnvirakul hat den kriminellen Strukturen in der Ferienprovinz Phuket den offenen Krieg erklärt. Nach massiven Beschwerden über Einschüchterungen, Schutzgelderpressung und die illegale Besetzung von öffentlichem Land kündigte er eine strikte Null-Toleranz-Politik gegenüber „mafiösen Methoden“ an.

Frontbesuch im Urlaubsparadies

Begleitet von einer Entourage aus hochrangigen Beamten des Innenministeriums, Polizeichefs und Provinzverwaltern, verschaffte sich Anutin am Sonntag persönlich ein Bild von der Lage im Bezirk Thalang. Was er dort vorfand, war ein Geflecht aus illegalen Bauten, dubiosen Machtansprüchen und verängstigten Bürgern.

„Diese Leute sind nichts weiter als gewöhnliche Schläger“, stellte Anutin im Gespräch mit betroffenen Anwohnern und Unternehmern unmissverständlich klar. „Unter meiner Führung werde ich nicht zulassen, dass solche Kriminellen die Öffentlichkeit belästigen.“

Besonders scharf kritisierte er Gruppen, die sich als „einflussreiche Persönlichkeiten“ aufspielen, um von Strandbetreibern Mieten oder Schutzgelder zu kassieren. „Wenn sie wirklich so mächtig wären, würden sie sich mir direkt stellen. Stattdessen verschwinden sie feige, sobald die Behörden auftauchen“, spottete der Minister und forderte die Bevölkerung auf, jede Form der Bedrohung sofort zur Anzeige zu bringen.


Die „Bang Tao Sandbox“: Ein Modell für ganz Thailand

Um das chronische Problem der illegalen Landnutzung nachhaltig zu lösen, präsentierte Anutin die „Bang Tao Sandbox“. Dieses Pilotprojekt soll den schwierigen Spagat zwischen strenger Rechtsdurchsetzung und der Sicherung des Lebensunterhalts der lokalen Bevölkerung meistern.

Die Eckpfeiler der Initiative:

  • Rechtliche Prüfung: Untersuchung von Mechanismen, die eine eingeschränkte kommerzielle Nutzung ermöglichen, solange der öffentliche Zugang zum Strand und zu Gehwegen garantiert bleibt.

  • Ehrlichkeit als Basis: Anutin räumte ein, dass viele Betriebe keine gültigen Landpapiere besitzen. Eine Lösung könne es nur geben, wenn alle Beteiligten die Karten offen auf den Tisch legen.

  • Alternativen schaffen: Wo keine rechtliche Grundlage zur Weiternutzung besteht, muss die Regierung alternative Standorte für die Händler finden.

  • Skalierbarkeit: Bei Erfolg soll das Modell auch in anderen Regionen, etwa bei der Waldinvasion in Chiang Mai oder Chiang Rai, angewendet werden.


Beamte im Visier und dubiose „Offiziere“

Die Warnung des Ministers richtete sich jedoch nicht nur an Kriminelle, sondern auch an die eigenen Reihen. Beamte, die Beschwerden ignorieren oder wegschauen, müssten mit harten rechtlichen Konsequenzen rechnen.

Die bisherigen Ermittlungen unter der Leitung des stellvertretenden Gouverneurs Rungrueng Thimabut zeichnen ein düsteres Bild der Zustände in Bang Tao:

  • 6 Rai Land werden ohne jegliche Eigentumsdokumente beansprucht.

  • 34 Gebäude wurden wegen illegaler Besetzung von öffentlichem Land bereits beschlagnahmt.

  • 46 Bauwerke wurden ohne Genehmigung errichtet.

  • Schutzgeld-Skandal: Einige Unternehmen zahlten monatliche Summen von bis zu 150.000 Baht an einen pensionierten Offizier und dessen Ehefrau. Gegen das Paar wird nun intensiv ermittelt.

Gerechtigkeit am Ufer

Gouverneur Nirat Pongsitthavorn betonte abschließend die Bedeutung der Strände als wertvolle öffentliche Ressource. Die Behörden stünden in der Pflicht, für Gerechtigkeit zwischen rechtmäßigen Besitzern und jenen zu sorgen, die sich öffentliches Eigentum unter den Nagel reißen wollen.

Mit dem Slogan „Niemand steht über dem Gesetz“ machte Anutin deutlich, dass die Ära der „starken Männer“ am Bang Tao Beach beendet sein soll. Phuket soll wieder das werden, was es verspricht: Ein Paradies – und zwar für alle, nicht nur für eine kriminelle Elite.

 

Redaktion STIN // CTN-Media

Von stin

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