Tokio – Stellen Sie sich vor, Ihr Fernseher schlägt Ihnen nicht nur stur eine Liste von Filmen vor, sondern erkennt, dass Sie einen anstrengenden Tag hatten, und fragt Sie persönlich, ob Ihnen eher nach Entspannung oder Action zumute ist. Was nach Science-Fiction klingt, lässt der japanische Elektronikriese Sharp Corp. nun Realität werden. Wie das Unternehmen am Donnerstag bekannt gab, läutet eine neue Generation der AQUOS-Serie das Zeitalter der KI-Gefährten im Heimkino ein.

Daiki und Ayumi: Die neuen Mitbewohner auf dem Bildschirm

Das Herzstück der technologischen Offensive, die am 23. Mai mit dem Roll-out von insgesamt 15 Modellen startet, ist weit mehr als eine simple Sprachsteuerung. Sharp bringt mit Daiki und Ayumi zwei fast lebensgroße, menschenähnliche Avatare direkt in die Wohnzimmer der Kunden. Diese digitalen Charaktere fungieren als interaktive Schnittstellen, mit denen Nutzer echte Gespräche führen können.

Möglich wird dies durch eine technologische Allianz mit dem US-Unternehmen OpenAI: Die Intelligenz hinter den Avataren basiert auf der Architektur von ChatGPT. Doch die KI analysiert nicht nur Sprachbefehle – sie lernt die Vorlieben, den individuellen Geschmack und sogar die aktuelle Stimmung der Zuschauer kennen, um maßgeschneiderte Programmvorschläge zu unterbreiten.


Ein Premium-Erlebnis mit neuem Geschäftsmodell

Innovation hat ihren Preis: Sharp siedelt die neuen High-End-Geräte im Premiumsegment an. Die Preise variieren je nach Modell und Ausstattung zwischen 275.000 und 935.000 Yen (umgerechnet etwa 1.650 bis 5.600 Euro).

Auch bei der Nutzung der Chat-Funktion setzt Sharp auf ein hybrides Modell:

  • Basis-Service: Bis zu 50 Unterhaltungen pro Monat sind im Kaufpreis enthalten.

  • Premium-Abo: Wer tiefer in den Dialog mit Daiki oder Ayumi eintauchen möchte, kann für eine monatliche Gebühr von 495 Yen (ca. 3 Euro) ein Upgrade auf bis zu 400 Unterhaltungen erwerben.

Mehr als nur eine Mattscheibe

Hinter der Einführung steckt eine klare Vision. Sharp will den Fernseher aus seiner Rolle als passives Empfangsgerät befreien und ihn zum aktiven, sozialen Zentrum des Haushalts befördern.

„Wir hoffen, den Zweck von Fernsehern durch den Einsatz von KI grundlegend zu verändern“, erklärte ein Sprecher von Sharp während der Präsentation.

Ob die Zuschauer bereit sind, ihren Fernseher als Gesprächspartner zu akzeptieren, wird sich ab Ende Mai zeigen, wenn die ersten Geräte in den japanischen Handel kommen. Eines ist jedoch sicher: Die Grenze zwischen Mensch und Maschine im heimischen Wohnzimmer verschwimmt mit diesem Schritt massiv.

Redaktion STIN // CTN-Media

Von stin

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