Bangkok – Es ist ein gigantisches Pokerspiel um Geld, Geist und die Zukunft des thailändischen Fußballs. Die thailändische Regierung steht vor einer weitreichenden Entscheidung, die das sportbegeisterte Land tief spaltet: Sollen mehr als 1,7 Milliarden Baht – umgerechnet rund 52 Millionen US-Dollar – an Steuergeldern in die Hand genommen werden, nur um die Übertragungsrechte für die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 zu sichern? Oder fließt das Geld am Ende besser direkt in die eigene Jugend?
Hinter den Kulissen wachsen die Zweifel massiv. Immer mehr offizielle Vertreter stellen die Sinnhaftigkeit dieses Mega-Deals infrage. Sie fragen sich: Lohnt sich diese astronomische Summe langfristig überhaupt für den thailändischen Fußball?
Kein Rückzug, aber die Uhr tickt
Am gestrigen 18. Mai um 16:05 Uhr trat Paradorn Prissananantakul, Minister im Büro des Premierministers, vor die Presse, um die brodelnde Gerüchteküche zu beruhigen. Berichte, wonach die Regierung den Kauf der Rechte für das vom 11. Juni bis 19. Juli in den USA, Kanada und Mexiko stattfindende Turnier bereits abgeblasen habe, wies er zurück.
„Die Regierung hat sich nicht von dem Plan zurückgezogen, aber es ist noch keine endgültige Entscheidung gefallen“, betonte Paradorn.
Der Premierminister selbst hatte erst letzte Woche klargestellt, dass man nach Wegen suche, um den thailändischen Fans das globale Sportspektakel zugänglich zu machen. Die Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit wurde bereits beauftragt, gemeinsam mit der Nationalen Rundfunk- und Telekommunikationskommission (NBTC) alle Optionen zu prüfen. Doch die nackten Zahlen, die nun auf dem Tisch liegen, lassen die Verantwortlichen schlucken.
Die Rechnung des Wahnsinns: 1,7 Milliarden Baht für vier Wochen
Die ersten Verhandlungsrunden offenbarten die finanzielle Dimension des Projekts:
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Reine Übertragungsrechte: 1,3 Milliarden Baht
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Steuern: rund 300 Millionen Baht
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Betriebskosten: weitere 100 Millionen Baht
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Gesamtkosten: Über 1,7 Milliarden Baht (ca. 52 Millionen USD)
Gegen diesen finanziellen Kraftakt regt sich massiver Widerstand in der Bevölkerung – ein Echo, das auch im Regierungspalast ungehört verhallt. Viele Bürger fordern lautstark, die Millionen nicht für ein vierwöchiges Fernsehevent zu verpulvern, sondern sie in Jugendprogramme und nachhaltige Projekte zu stecken, damit Thailand irgendwann nicht mehr nur zuschaut, sondern sich selbst für eine Weltmeisterschaft qualifiziert.
„Wir müssen abwägen, welche Option dem thailändischen Fußball nachhaltigere Vorteile bringt“, erklärte Paradorn sichtlich nachdenklich. Da es sich um das Geld der Steuerzahler handelt, ist die Sensibilität maximal hoch. Zumal ein weiterer Faktor die Attraktivität des Deals schmälert: Die enorme Zeitverschiebung zu Nordamerika sorgt dafür, dass viele Spiele für die thailändischen Zuschauer zu extrem ungünstigen Uhrzeiten laufen würden.
Der Masterplan: Basisarbeit statt teurer TV-Bilder
Wie weit man mit 1,7 Milliarden Baht im eigenen Land kommen könnte, rechnete Paradorn prompt vor. Statt das Geld für ein einmonatiges Turnier im Ausland zu verbrennen, könnte das Budget über Jahre hinweg die heimische Fußballstruktur revolutionieren.
Als konkretes Beispiel nannte er das Jugendtrainingsprogramm des Prime Minister Cup, das ehemals vom Ministerium für Tourismus und Sport organisiert wurde und mit kleinem Budget Großes bewirkte. Auf diesem Fundament könnten Thailands professionelle T3-Förderprojekte aufbauen, die bereits in fast jeder Provinz aktiv sind. Sie könnten talentierten Nachwuchskickern den Weg nach ganz oben ebnen.
„Mit 200 bis 300 Millionen Baht pro Jahr könnten wir den heimischen Fußball dauerhaft und nachhaltig stärken“, so der Minister laut einem Bericht von Khaosod.
Die Regierung hofft nun auf ein kleines Wunder aus der Wirtschaft: Der Privatsektor sei herzlich eingeladen, einzuspringen und die Rechte mitzufinanzieren. Einwände gäbe es keine – doch die Zeit drängt massiv. Das Turnier steht vor der Tür, eine Entscheidung muss dringend her.
Ein thailändischer Weltstar auf der ganz großen Bühne
Während die Funktionäre in Bangkok um jeden Cent feilschen, steht ein thailändischer Triumph auf der WM-Bühne bereits felsenfest – wenn auch nicht sportlich, so doch kulturell.
Die FIFA gab offiziell bekannt, dass die thailändische Sängerin Lalisa Manobal, weltweit besser bekannt als Lisa von BLACKPINK, als eine der Hauptkünstlerinnen bei der großen Eröffnungsfeier der Weltmeisterschaft 2026 auftreten wird.
Ein bittersüßer Beigeschmack bleibt: Während Millionen Fans weltweit zusehen werden, wie ein thailändischer Superstar die WM eröffnet, ist völlig ungewiss, ob die Menschen in ihrer Heimat diesen Moment überhaupt live im Free-TV miterleben können.
Redaktion STIN // CTN-Media