Bangkok – Es war eines der dreistesten politischen Manöver der jüngeren thailändischen Geschichte – und es schien jahrelang zu funktionieren. Doch heute holte die Justiz zwei der mächtigsten Strippenzieher der thailändischen Antikorruptionsbehörde (NACC) ein. Das Strafgericht für Korruptionsfälle verurteilte den ehemaligen NACC-Vorsitzenden, Polizeigeneral Watcharaphol Prasarnratchakit, und das hochrangige Ex-Mitglied Supa Piyajitti zu jeweils drei Jahren Gefängnis. Das Verbrechen: Amtsmissbrauch durch gezieltes Vertuschen im berüchtigten Luxusuhren-Skandal um den ehemaligen stellvertretenden Premierminister General Prawit Wongsuwan.
Ein Netz aus Luxus und Lügen
Die Wurzeln dieses Justiz-Thrillers reichen in die Jahre 2017 und 2018 zurück. Damals entfachte die Enthüllungsplattform CSI-LA einen gigantischen Shitstorm, als sie akribisch Fotos analysierte, die General Prawit im Dienst zeigten. Am Handgelenk des Generals blitzten abwechselnd chronometrische Meisterwerke: eine Richard Mille, eine Patek Philippe und diverse Luxusmodelle von Rolex. Gesamtwert: Millionen.
Das Problem? In Prawits offizieller Vermögenserklärung von 2014 tauchte keine einzige dieser Uhren auf.
Als der Druck der Öffentlichkeit wuchs, präsentierte der General eine Erklärung, die im Land für fassungsloses Kopfschütteln sorgte: Er habe sich die Uhren lediglich von einem engen, mittlerweile verstorbenen Freund – Patthawat Sursriwong – „geliehen“ und sie längst alle brav zurückgegeben.
„Es waren die Uhren eines toten Freundes.“ – Eine Ausrede, die zur Legende wurde, die Antikorruptionsbehörde damals jedoch seltsam milde stimmte.
Die Mauer des Schweigens bricht
Die NACC wischte die Vorwürfe seinerzeit eilig beiseite und schützte den mächtigen General. Doch die thailändische Zivilgesellschaft ließ nicht locker. Angeführt von dem unnachgiebigen Aktivisten Veera Somkwamkid wanderte der Fall vor das Oberste Verwaltungsgericht. Dieses ordnete unmissverständlich an: Die Ermittlungsergebnisse der NACC müssen offengelegt werden.
Doch die Führungsriege der NACC stellte sich stur. Sie weigerte sich, die Akten freizugeben – ein offener Bruch des Gesetzes, um die politische Elite zu schützen.
Veera Somkwamkid zog daraufhin erneut vor Gericht und klagte zwölf Mitglieder der Kommission wegen Amtsmissbrauchs an. Im Laufe des zähen juristischen Tauziehens schrumpfte die Liste der Beschuldigten: Gegen einen Angeklagten wurde die Klage altersbedingt fallengelassen, bei sieben weiteren stellte das Gericht das Verfahren ein.
Das Urteil und das Zittern vor der Berufung
Am heutigen Tag blieben schließlich nur noch die beiden Hauptverantwortlichen übrig. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Watcharaphol und Supa aktiv Tatsachen verschwiegen und die Justiz behindert hatten, um General Prawits Weste weißzuwaschen.
Das Urteil von drei Jahren Haft schlägt im politischen Bangkok ein wie eine Bombe. Es zeigt, dass selbst die Hüter der Antikorruption nicht unantastbar sind, wenn sie sich vor den Karren der Mächtigen spannen lassen.
Das letzte Kapitel ist allerdings noch nicht geschrieben: Unmittelbar nach der Urteilserkündung beantragten die beiden verurteilten Ex-Top-Beamten eine Freilassung auf Kaution, um den Gang ins Gefängnis bis zur Berufungsverhandlung abzuwenden. Das Ringen um Gerechtigkeit geht in die nächste Runde.
In den USA gibt es ja einen ähnlich gelagerten Fall. Die Epstein-Files. Auch hier werden von einer Behörde, in dem Fall das DOJ, Akten zurückgehalten um Mächtige zu schützen. Nur das der Fall in den USA noch schlimmer ist. Und ob es dort jemals irgendwelche Anklagen geben wird? Jedenfalls nicht solange Trump das Sagen hat.