BANGKOK – Die thailändische Provinzverwaltungsbehörde (DOPA) zieht im Kampf gegen organisierte Kriminalität und Dokumentenbetrug die Daumenschrauben an. Mit einer landesweiten und unmissverständlichen Dienstanweisung reagiert das dem Innenministerium unterstellte Ressort auf eine wachsende Bedrohung: Transnationale kriminelle Netzwerke und Betrüger nutzen das thailändische Eheschließungssystem zunehmend als Einfallstor, um sich illegale Aufenthaltsrechte und handfeste wirtschaftliche Vorteile zu erschleichen.
Narucha Kosacivilize, Generaldirektor der Abteilung für Provinzverwaltung, fand am 26. Mai klare Worte. Cyber-Kriminalität und internationale Syndikate würden bestehende Lücken in den Registrierungssystemen und amtlichen Dokumenten gezielt ausnutzen. Die Masche der „Scheinehe“ gefährde nicht nur die nationale Sicherheit, sondern untergrabe auch das Vertrauen in das gesamte thailändische Personenstandsregister.
Beschwerden aus den eigenen Reihen: Druck auf die Behörden wächst
Der radikale Schritt kommt nicht von ungefähr. Die Behördenleitung reagiert damit auch auf massiven Gegenwind und Beschwerden über die Praxis in den eigenen Amtsstuben. Es stand der konkrete Verdacht im Raum, dass einige Standesämter es mit den gesetzlichen Vorgaben und offiziellen Richtlinien in der Vergangenheit nicht allzu genau nahmen.
Um dem entgegenzuwirken, hat Generaldirektor Narucha bereits am 22. Mai ein striktes Schreiben an alle Provinzgouverneure unterzeichnet. Die unmissverständliche Order an sämtliche Standesämter des Landes: Kompromisslose Einhaltung aller Antikorruptionsmaßnahmen, um kriminellen Netzwerken den Riegel vorzuschieben.
Das Raster der Ermittler: Drei Gruppen im Visier
Die neuen Richtlinien verpflichten die Bezirksregistrierungsämter im ganzen Land sowie in der Hauptstadt Bangkok zu einer akribischen Tiefenprüfung. Jedes einzelne Antragsformular („Kh.Ror.1“) und die persönlichen Qualifikationen der Brautleute kommen auf den Prüfstand. Die Ermittler konzentrieren sich dabei gezielt auf drei definierte Schlüsselgruppen:
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Ausländische Staatsangehörige: Ihre Dokumente – insbesondere Reisepässe und behördliche Beglaubigungen aus den Herkunftsländern – werden einer lückenlosen Echtheitsprüfung unterzogen.
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Minderheiten und ethnische Gruppen: Hier stehen Personen im Fokus, die im System als Typ 6 (Gruppencodes 50–72) sowie als Typ 7 klassifiziert sind.
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Personen ohne Status: Ein besonderes Augenmerk gilt Menschen ohne Eintrag im Personenstandsregister, die unter den Systemcodes 0-89 und 0-00 geführt werden.
Isolations-Verhöre und Echtzeit-Checks gegen die Betrugsmasche
Um Identitätsfälschungen und das Ausnutzen rechtlicher Grauzonen unmöglich zu machen, setzt die DOPA ab sofort auf ein knallhartes Prüfverfahren. Die Standesbeamten sind angewiesen, Heiratsurkunden in der nationalen Datenbank in Echtzeit abzugleichen. So soll sofort auffliegen, wenn ein Antragsteller heimlich bereits verheiratet ist.
Verhärtet sich der Verdacht auf eine Scheinehe, greifen die Beamten zu einer drastischen Maßnahme: Die Ehepartner in spe werden getrennt und einzeln verhört. Damit soll verhindert werden, dass sich die Paare vorab abgesprochene Geschichten zuspielen.
Auch bei den Ledigkeitsnachweisen für Ausländer versteht die Behörde keinen Spaß mehr. Diese müssen nicht nur übersetzt, sondern zwingend vom thailändischen Außenministerium beglaubigt sein, bevor das Verfahren überhaupt anlaufen kann. Zudem wird ein neues, dreisprachiges Ermittlungsformular („Por.Khor.14“) in Thailändisch, Englisch und Chinesisch eingeführt. Dieses listet die drastischen strafrechtlichen Konsequenzen für Falschangaben unmissverständlich auf.
Rote Karte für Betrüger – und für korrupte Beamte
Die Standesbeamten erhalten durch die neue Regelung weitreichende Befugnisse. Liegen hinreichende Gründe für die Annahme einer Scheinehe vor, können sie den Antrag nach eigenem Ermessen sofort ablehnen. Zwar müssen den Betroffenen die rechtlichen Gründe dargelegt werden – und der Weg für einen Widerspruch oder den Rechtsweg bleibt offen –, doch die Hürden sind massiv gestiegen.
Gleichzeitig nimmt Narucha die eigenen Mitarbeiter an die kurze Leine. Für die Beamten gilt ein absolutes Verbot, Zahlungen oder Geschenke anzunehmen, die über die gesetzlich vorgeschriebenen Gebühren hinausgehen.
Redaktion STIN // CTN-Media„Sollte Korruption oder die Beihilfe zu einem Fehlverhalten festgestellt werden, werden entschiedene Disziplinarmaßnahmen ergriffen. Der Sachverhalt muss unverzüglich der Provinzverwaltung gemeldet werden“, stellte Narucha unmissverständlich klar.