Ein zertrümmertes Motorrad, ein Toter auf der Ratchapruek Road und ein sturzbetrunkener Spitzenbeamter, der plötzlich von nichts mehr wissen will: Der tödliche Verkehrsunfall in der thailändischen Provinz Nonthaburi entwickelt sich zu einem handfesten Justizskandal. Im Zentrum des Sturms steht ein Direktor der Nationalen Antikorruptionskommission (NACC), der sich mit dubiosen Ausflüchten aus der Schlinge ziehen will.

Es ist Mittwoch, der 27. Mai, kurz vor Mitternacht. Auf der Ratchapruek Road herrscht um 23 Uhr bereits mäßiger Verkehr, als ein schwerer Pickup-Truck mit brutaler Wucht in das Heck eines Motorrads rast. Für den Zweiradfahrer, einen unschuldigen Essenslieferanten, gibt es keine Rettung – er stirbt noch an der Unfallstelle.

Anstatt anzuhalten und Erste Hilfe zu leisten, gibt der Fahrer des Pickups Gas. Augenzeugen berichten fassungslos, wie der Unfallwagen versucht, im Schutz der Dunkelheit zu entkommen. Doch die Flucht scheitert kläglich: Ein Reifen ist so schwer beschädigt, dass das Fahrzeug manövrierunfähig liegen bleibt.

„Wissen Sie eigentlich, wer ich bin?“

Als die Zeugen den Wagen erreichen, steigt ein sichtlich berauschter Mann aus. Es ist der 52-jährige Jarong Kromoh. Doch statt Reue oder Bestürzung zu zeigen, schaltet der Fahrer sofort in den Angriffsmodus. Laut Zeugenaussagen gibt er sich lautstark als offizieller Sprecher der mächtigen Antikorruptionskommission (NACC) aus. Er versucht offenbar gezielt, Druck aufzubauen, prahlt mit seinen angeblich exzellenten Verbindungen zu hochrangigen Regierungsbeamten und der Polizeiführung. Ein klassischer Versuch, die eigene Machtkarte auszuspielen, um sich der Verantwortung zu entziehen.

Die herbeigerufene Polizei lässt sich jedoch nicht einschüchtern und eskortiert Kromoh auf die Wache. Der dort durchgeführte Alkoholtest spricht Bände: Satte 189 Milligramm Prozent zeigt das Gerät an. Der gesetzliche Grenzwert in Thailand liegt bei mageren 50 Milligramm Prozent. Kromoh war nicht nur fahruntüchtig, er war absolut sternhagelvoll.

Das Netz aus Lügen reißt

Kurz nach dem Vorfall sieht sich die NACC zu einer Schadensbegrenzung gezwungen. In einer offiziellen Erklärung distanziert sich die Behörde von den Aussagen des 52-Jährigen: Nein, Sprecher der Kommission sei er nicht. Die bittere Wahrheit hinter der Fassade ist für die Antikorruptionsbehörde jedoch kaum weniger peinlich: Jarong Kromoh ist in Wahrheit der amtierende Direktor des Büros für Ermittlungen und Sonderangelegenheiten. Ausgerechnet ein Mann, der von Berufs wegen Verbrechen aufdecken und das Gesetz schützen soll, steht nun im Fadenkreuz der Justiz.

Doch die Dreistigkeit des Spitzenbeamten kennt offenbar keine Grenzen. Wie das thailändische Medium ThaiRath berichtet, legte Kromoh bei der polizeilichen Vernehmung eine filmreife Kehrtwende hin. Trotz erdrückender Zeugenaufnahmen und Videos vom Unfallort leugnet er plötzlich vehement, am Steuer gesessen zu haben.

„Ich bin das Auto nicht gefahren“, wird Kromoh zitiert. „Es stimmt, dass ich betrunken war, aber ich war nicht der Fahrer.“

Wer das Fahrzeug stattdessen gesteuert haben soll, dazu schweigt der Direktor. Angesichts der vorliegenden Video-Beweise und der erdrückenden Zeugenketten steht die Polizei nun vor der Aufgabe, das Netz aus Lügen endgültig zu zerreißen. Für die thailändische Öffentlichkeit ist der Fall schon jetzt ein Paradebeispiel für die gefürchtete Mentalität der Eliten, sich über das Gesetz stellen zu wollen – ein System, das Kromoh eigentlich bekämpfen sollte.

 

Redaktion STIN // CTN-Media

Von stin

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