Phnom Penh / Bangkok. Ein diplomatisches und akademisches Tauziehen beschäftigt die sozialen Netzwerke in Südostasien: Kambodschas Premierminister Hun Manet hat Vorwürfe scharf zurückgewiesen, nach denen er seinen Studienplatz an der renommierten US-Militärakademie West Point einer thailändischen Militärquote zu verdanken habe. Der Regierungschef protestierte vehement gegen diese Behauptungen, bezeichnete sie als schlichtweg falsch und sprach von einem fundamentalen Missverständnis.
Ein Jubiläum befeuert die Gerüchteküche
Die Debatte flammte auf, nachdem Hun Manet auf seinen Social-Media-Kanälen eine Nachricht zum 27. Jahrestag seines Abschlusses (am 29. Mai 1999) an der weltberühmten Akademie geteilt hatte. In der Folge tauchten jahrelang totgeglaubte Gerüchte wieder auf.
„Einige thailändische Bürger haben kommentiert, dass ich über eine dem thailändischen Militär zugeteilte Quote an der US-Militärakademie aufgenommen worden sei“, erklärte Hun Manet.
Während er die Anschuldigungen in der Vergangenheit ignorierte, weil er eine Reaktion für überflüssig hielt, ging der Premierminister nun in die Offensive. Er wolle die Vorwürfe „ein für alle Mal“ ausräumen und das Missverständnis endgültig beenden.
Das Aufnahmeverfahren: Kambodschanischer Kadett statt thailändischer Gast
Der Premierminister – Sohn des langjährigen kambodschanischen Machthabers Hun Sen – stellte die Vergabepraxis der USA unmissverständlich klar. Die Vereinigten Staaten vergeben Stipendien und Kadettenplätze unabhängig an ausländische Nationen. Kein Land, dem eine solche Quote zusteht, besitzt die Befugnis, diese eigenmächtig an einen anderen Staat weiterzugeben. Zudem weise ihn sein Abschlussdiplom eindeutig als kambodschanischen Kadetten aus.
Das offizielle Prozedere stützt seine Argumentation: Ausländische Bewerber für West Point müssen zwingend vom Verteidigungsministerium ihres Heimatlandes nominiert und von der dortigen US-Botschaft bestätigt werden. Hun Manet legte dar, dass er im Jahr 1995 sowohl die Nominierung des kambodschanischen Verteidigungsministeriums als auch die offizielle Unterstützungserklärung der US-Botschaft in Kambodscha erhielt.
„Dies bestätigt eindeutig, dass die Quote, unter der ich in West Point studiert habe, eine von den Vereinigten Staaten an Kambodscha und nicht an Thailand gewährte Quote war“, so der Regierungschef.
Selbstbewusst forderte er Kritiker auf, direkt beim thailändischen Verteidigungsministerium, der US-Botschaft in Thailand oder in West Point nachzufragen. Er sei absolut zuversichtlich, dass sich keinerlei Beweise für die falschen Behauptungen finden lassen. Mit dieser Klarstellung hofft Hun Manet, den Vorwürfen ein endgültiges Ende zu setzen.
Widerspruch aus Bangkok: Thailändischer Berater stützt die Quoten-Theorie
Aus Thailand formiert sich jedoch Widerspruch. Wanwichit Boonprong, Berater des thailändischen Verteidigungsministers, brachte eine andere Version der Geschichte ins Spiel. Laut seinen Angaben habe der damalige thailändische Premierminister General Chavalit Yongchaiyudh – selbst ehemaliger Oberbefehlshaber und Oberbefehlshaber der Armee – seinerzeit einen Vorschlag befürwortet, der es Hun Manet ermöglichen sollte, im Rahmen der thailändischen Quote in West Point zu studieren.
Boonprong gab zu bedenken, dass ein Ausländer, der an der angesehenen Akademie aufgenommen wird, ein herausragender, hochrangiger Militärkadett aus seinem Heimatland sein muss. Er verwies auf den historischen Kontext: Als sich Hun Manet 1995 in West Point einschrieb, lag die Unterzeichnung des Pariser Friedensabkommens, welches den Kambodschanisch-Vietnamesischen Krieg und den Dritten Indochinakrieg beendete, erst vier Jahre zurück.
Nach den jahrelangen, verheerenden internen Kämpfen habe sich Kambodscha in einer schwierigen Nachkriegssituation befunden. Laut Boonprong gab es zu diesem Zeitpunkt im Land schlichtweg keine Kadettenausbildung oder funktionierende Kadettenakademien, an denen Hun Manet einen entsprechenden Abschluss hätte machen können.