Bangkok – Thailands Nahverkehr steht vor einer historischen Weichenstellung: Das Verkehrsministerium bereitet einen wegweisenden Antrag an das Kabinett vor, um das gesamte elektrische Schienennetz des Landes unter eine einheitliche Eigentümerstruktur zu bringen. Dieser strategische Schritt gilt als der entscheidende Meilenstein, um ein lang ersehntes, gemeinsames Fahrkarten- und Tarifsystem in der Metropolregion Bangkok zu realisieren.
Wie der stellvertretende Verkehrsminister Siripong Angkasakulkiat ankündigte, wird das Ministerium die Pläne bereits am morgigen Dienstag, den 2. Juni, der Kabinettssitzung zur Genehmigung vorlegen.
Zentralisierung unter der MRTA: Effizienz statt Flickenteppich
Kern des weitreichenden Vorschlags ist der sogenannte „Einheitseigentum“-Ansatz. Dieser sieht vor, bestimmte Managementrechte für sämtliche elektrische Bahnprojekte aller Linien und Farben an die Mass Rapid Transit Authority of Thailand (MRTA) zu übertragen. Um das Schienennetz künftig deutlich effizienter zu betreiben und die gemeinsame Fahrkartenpolitik der Regierung konsequent umzusetzen, soll auch die Stadtverwaltung von Bangkok (BMA) wichtige Managementrechte an die MRTA abtreten.
Laut Siripong laufen im Ministerium derzeit intensive Diskussionen, um die genaue Regelung der Rechte und operativen Befugnisse für die einzelnen Abschnitte des Eisenbahnsystems zu definieren.
Der nächste Schritt: Das Kabinett muss dem Vorhaben zunächst grundsätzlich zustimmen. Erst mit diesem offiziellen Startschuss wird der Rahmen geschaffen, um die Zusammenarbeit aller beteiligten Behörden zu koordinieren.
Wie eine hochrangige Quelle aus dem Verkehrsministerium durchblicken ließ, geht es bei der Kabinettsvorlage konkret darum, das Prinzip des einheitlichen Eigentums anzuerkennen. Dies umfasst sowohl die Übertragung der BMA-bezogenen Elektrobahnprojekte als auch die dafür notwendigen Anpassungen der Konzessionsverträge mit dem Ziel, die MRTA als alleinige Eigentümerin einzusetzen.
Sobald dieses grüne Licht vorliegt, starten die Verhandlungen mit der BMA sowie den privaten Konzessionsinhabern über die formelle Übertragung der Verkehrsrechte. Das Ministerium hob dabei hervor, dass der ambitionierte Plan weder Haushaltsausgaben erfordert noch die Staatsverschuldung belasten wird. Stattdessen wird die Reform über vertragliche Anpassungen gelöst, bei denen der Vertragspartner schlicht von der BMA zur MRTA wechselt.
Das Ziel: Ein „Neujahrsgeschenk“ für die Bevölkerung ab 2027
Das Ministerium lässt keinen Zweifel daran, dass die Übertragung der Managementrechte an die MRTA das zwingende Fundament für eine einheitliche Tarifstruktur ist. Die Regierung verfolgt dabei einen ambitionierten Zeitplan: Die neue Richtlinie soll noch in diesem Jahr finalisiert werden.
Bereits am 1. Januar 2027 will man der Bevölkerung ein echtes „Neujahrsgeschenk“ präsentieren: Die Einführung eines neuen, revolutionären Tarifs von maximal 40 Baht für Ganztagesreisen im gesamten Netz.
Vier Großprojekte im Fokus des Systemwechsels
Um das einheitliche Tarifsystem zu ermöglichen, steht ein Systemwechsel bei den Betreibermodellen an. Bei aktuell vier großen Schienenprojekten soll das Konzessionsmodell von sogenannten PPP-Nettokosten (Public-Private-Partnership) auf PPP-Bruttokosten umgestellt werden. Betroffen von dieser weitreichenden Transformation sind:
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1. Die Grüne Linie (Sukhumvit- & Silom-Abschnitt):
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Umfang: Der Abschnitt Sukhumvit (Mo Chit bis On Nut) und der Abschnitt Silom (Nationalstadion bis Saphan Taksin).
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Vertragslage: Die BMA hält hier den Hauptkonzessionsvertrag mit der Bangkok Mass Transit System Plc (BTSC), der im Jahr 2029 ausläuft.
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Erweiterungen: Zudem existieren Betriebs- und Wartungsverträge bis 2042. Diese decken neben den Hauptabschnitten auch die ersten Erweiterungen (Saphan Taksin nach Bang Wa / On Nut nach Bearing) sowie die zweiten Erweiterungen (Mo Chit nach Khu Khot / Bearing nach Samut Prakan) ab.
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2. Die Blaue Linie:
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Umfang: Der Abschnitt Hua Lamphong–Bang Sue sowie die Verlängerung Hua Lamphong–Lak Song.
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Vertragslage: Die MRTA hat hier einen Vertrag mit der Bangkok Expressway and Metro Plc (BEM) über Zugbetrieb, Fahrgelderhebung und kommerzielle Entwicklung abgeschlossen. Die reguläre Konzession läuft bis 2049, wobei BEM vertraglich verpflichtet ist, Einnahmen aus Fahrgeldern und kommerzieller Nutzung zu festgelegten Sätzen an die MRTA abzuführen. Die gesamte Konzessionsperiode endet im Jahr 2050.
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3. Die Pink Line (Khae Rai nach Min Buri):
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Vertragslage: Hier hält die Northern Bangkok Monorail Co Ltd (NBM) eine PPP-Nettokostenkonzession der MRTA. Der private Sektor hat vollumfänglich in Bau, Systeme, Züge sowie Betrieb und Instandhaltung investiert, während der Staat die Infrastrukturmaßnahmen finanziell unterstützte. Die Laufzeit beträgt 30 Jahre ab Betriebsbeginn und endet im Jahr 2053.
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4. Die Gelbe Linie (Lat Phrao nach Samrong):
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Vertragslage: Analog zur Pink Line hat die MRTA mit der Eastern Bangkok Monorail Co Ltd (EBM) eine PPP-Nettokostenkonzession unterzeichnet. Auch hier trägt die private Seite die Verantwortung für Bau, Systeme, Zugbeschaffung, Betrieb und Wartung, während die Bauarbeiten staatlich bezuschusst wurden. Diese 30-jährige Konzession läuft ebenfalls im Jahr 2053 aus.
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Mit der Zusammenführung dieser komplexen Vertragsstrukturen unter dem Dach der MRTA unternimmt das Verkehrsministerium den entscheidenden Schritt, um Bangkoks fragmentierten Nahverkehr fit für die Zukunft zu machen.