PATTAYA, Thailand – Es klingt wie das Drehbuch einer absurden Komödie, bedeutete für die thailändischen Behörden jedoch tagelangen, massiven Stress: Ein findiger, aber dreister Schuldner hat seine privaten Inkasso-Anrufe kurzerhand an die Polizeiwache von Pattaya umgeleitet. Innerhalb von nur drei Tagen sahen sich die Beamten mit einer Flut von über 200 Anrufen wütender Gläubiger konfrontiert, die den Betrieb der Dienststelle empfindlich blockierten.

Ein virales Video enthüllt das Chaos auf der Wache

Der beispiellose Vorfall kam am 2. Juni ans Licht, nachdem ein Video in den sozialen Medien rasant die Runde machte. Die Aufnahmen zeigen sichtlich frustrierte Beamte in der Leitstelle der Polizeiwache Pattaya. Immer wieder nehmen sie Telefonate von Inkassounternehmen entgegen, die fälschlicherweise glauben, direkt mit ihrem Schuldner zu sprechen.

Selbst die klaren Aufklärungsversuche der Polizisten, dass es sich hierbei um eine offizielle Behördennummer handele, stießen bei den Geldeintreibern auf taube Ohren: Einige der Anrufer reagierten Berichten zufolge sogar mit heftigen Beschimpfungen.

Eine interne Untersuchung deckte schließlich die technische Masche auf: Ein Kreditnehmer hatte über eine Online-Kreditplattform eine Rufumleitung eingerichtet. Jedes Mal, wenn ein Gläubiger versuchte, ihn zu kontaktieren, landete das Gespräch stattdessen direkt auf der Mobilfunknummer der Wache. Diese gezielte Blockade beeinträchtigte die Arbeit der Beamten massiv, die eigentlich für die Entgegennahme echter Notrufe und die Unterstützung der Bevölkerung zuständig sind.

Internationale Anruferwelle: Polizeichef greift ein

Um sich selbst ein Bild von der zugespitzten Lage zu machen und seinem Team den Rücken zu stärken, besuchte Polizeioberst Anek Srathongyu, der Leiter der Polizeistation Pattaya, persönlich die Leitstelle. Selbst während seines Aufenthalts vor Ort schrillten die Telefone ununterbrochen weiter. Neben thailändischen Gläubigern registrierten die Beamten dabei auch zahlreiche Personen, die mit einem deutlich hörbaren, kambodschanischen Akzent sprachen.

Die Behörden reagierten schließlich mit ersten Sofortmaßnahmen: Sie erstellten eine detaillierte Liste aller Nummern, die die Station wiederholt terrorisierten, und sperrten diese kurzerhand für den Posten. Zudem wurden sämtliche Telefondaten an die Ermittler zur technischen Auswertung übergeben, um die Verantwortlichen hinter den Kulissen zu identifizieren.

Polizei warnt: „Blockade der Nummern gefährdet Menschenleben“

Polizeioberst Anek Srathongyu stellte klar, dass die Polizei von Pattaya neben der thailändischen Nationalnotrufnummer 191 bewusst eine direkte Mobilfunknummer für die Bürger unterhält, um schnelle Hilfe zu gewährleisten. Dass diese nun tagelang von einer Einzelperson missbraucht wurde, um sich vor Schuldenforderungen zu drücken, führte zu erheblichen Störungen des gesamten Polizeibetriebs.

In einem dringenden Appell richtete sich die Polizei an die Bevölkerung: Die offizielle Behördenkommunikation darf unter keinen Umständen gestört werden. Jeder unnötige oder umgeleitete Anruf birgt das Risiko, dass echte Notrufe in lebensbedrohlichen Situationen die Beamten nicht rechtzeitig erreichen.

Die Ermittler arbeiten unterdessen mit Hochdruck daran, den Inhaber der betroffenen Telefonnummer sowie alle weiteren an diesem Betrug beteiligten Akteure lückenlos zu identifizieren. Konsequente rechtliche Schritte gegen die Verursacher sollen zeitnah folgen.

Redaktion STIN // CTN-Media

Von stin

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