Ein drohender Kurswechsel in der US-Handelspolitik wirft lange Schatten auf Südostasien: Neue Strafzölle nach dem berüchtigten „Abschnitt 301“ könnten bereits im nächsten Monat in Kraft treten. Für Thailands exportorientierte Wirtschaft steht in der zweiten Jahreshälfte 2026 viel auf dem Spiel. Ökonomen und Wirtschaftsverbände warnen vor massiven Handelsunsicherheiten, die den jüngsten Aufschwung abrupt abwürgen könnten.
Das US-Handelsgesetz als Hebel: Der Druck auf die Lieferketten wächst
Der drohende Dämpfer basiert auf Abschnitt 301 des US-Handelsgesetzes. Diese Klausel ermächtigt den US-Handelsbeauftragten (USTR), Untersuchungen einzuleiten und Vergeltungszölle oder Handelsbeschränkungen gegen Staaten zu verhängen, deren Wirtschaftspraktiken als „unfairst, unangemessen“ oder diskriminierend eingestuft werden und den US-Handel belasten. Im Visier der USA stehen dabei insbesondere Produktionsüberkapazitäten, Verstöße gegen das geistige Eigentum, Steuern auf digitale Dienstleistungen sowie Zwangs- oder Kinderarbeit.
Die aktuelle Initiative begründet der USTR mit unzureichenden Maßnahmen zur Verhinderung von Zwangsarbeit. Die Tragweite dieser Regelung ist immens: Selbst wenn in einem Land nachweislich keine Zwangsarbeit existiert, können dessen Produkte mit Zöllen belegt werden, sobald die Lieferkette Importe aus Ländern enthält, in denen Zwangsarbeit praktiziert wird.
Neuordnung des Zollgefüges: Thailand im Visier der US-Zollpolitik
Die Neuregelung soll die bisherigen Zölle nach Abschnitt 122 ersetzen, die am 24. Juli für Importe aus 59 Ländern und der EU auslaufen. Diese waren eingeführt worden, nachdem der Oberste Gerichtshof der USA im vergangenen Jahr die von Präsident Donald Trump verhängten „Gegenzölle“ für verfassungswidrig erklärt hatte. Trump hatte dabei den International Emergency Economic Powers Act genutzt, um Zölle ohne die erforderliche Zustimmung des Kongresses zu erheben – ein Schritt, den das Gericht als Kompetenzüberschreitung wertete. Nach dem Urteil versuchte Trump, die Abgaben teilweise über einen globalen 10%-Zoll wiederzubeleben, der nun im kommenden Monat endet. Nun signalisiert er, Abschnitt 301 zu nutzen, um seine Zollagenda neu aufzubauen.
Das neue Schubszenario teilt die Handelspartner in verschiedene Risikoklassen ein:
10 % Zollsatz (Abschnitt 301): Betrifft 14 Länder und Regionen, darunter Kanada, Ecuador, El Salvador, Argentinien, die EU, Großbritannien, Bangladesch, Guatemala, Mexiko, Pakistan, Indonesien, Malaysia, Kambodscha und Taiwan.
12,5 % Zollsatz (Abschnitt 301): Betrifft 46 Länder – darunter Thailand, China, Brasilien, Südkorea und die Schweiz.
Für Thailand bedeutet dies eine Verschärfung: Derzeit gilt für thailändische Importe ein Zollsatz von 10 % nach Artikel 122, während der zuvor vom Gericht gekippte „Gegenzollsatz“ bei 19 % gelegen hatte.
Das Ultimatum: Verhandlungsdruck und offene Abkommen
Wie hoch die Sätze letztlich ausfallen, entscheidet sich in Kürze. Das Büro des USTR wird voraussichtlich am 7. Juli Anhörungen zu den vorgeschlagenen Zöllen abhalten. Nach Abschluss dieser Prüfung könnten die Zollsätze für jedes Land bereits im nächsten Monat final festgesetzt werden. Erschwerend kommt hinzu: In bestimmten Fällen könnte ein Zoll nach Abschnitt 301 für spezifische Produkte zusätzlich zum Basiszoll erhoben werden.
Nuttaporn Triratanasirikul, stellvertretende Geschäftsführerin des Kasikorn Research Center (K-Research), sieht darin ein strategisches Kalkül Washingtons:
„Die erste Phase ermöglicht es den USA, die betroffenen Länder zu Verhandlungen zu zwingen. Länder wie Thailand müssten wahrscheinlich Zugeständnisse machen, um günstige Zollsätze zu erhalten. Sollten die Verhandlungsergebnisse die USA nicht überzeugen, könnten die Zölle für bestimmte Länder später angehoben werden.“
Während Nachbarstaaten wie Malaysia, Indonesien und Kambodscha bereits Handels- und Zollabkommen mit Washington besiegelt haben, steht ein finaler Vertrag zwischen Thailand und den USA noch aus. Zudem droht eine globale Eskalation: Die Strategie nach Abschnitt 301 könnte, ähnlich wie bei Trumps früheren Gegenzöllen, heftige Gegenmaßnahmen der betroffenen Nationen auslösen.
Konjunkturprognosen: Vom Rekordhoch zum Stillstand?
Die Warnung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Thailands Exportwirtschaft eigentlich boomt. In den ersten vier Monaten des Jahres 2026 schnellten die Lieferungen im Vorjahresvergleich um fast 20 % nach oben. Aufgrund dieser Dynamik hatte K-Research seine Exportwachstumsprognose für das Gesamtjahr 2026 jüngst von 1 % auf 8,2 % angehoben.
Doch die zweite Jahreshälfte droht nun zur Vollbremsung zu werden. „Unsere Wachstumsprognose von 8,2 % ist eher konservativ“, dämpft Triratanasirikul den Optimismus. „Im schlimmsten Fall könnten die Exporte in der zweiten Jahreshälfte stagnieren.“
Zwischen Alarmbereitschaft und Schadensbegrenzung: Reaktionen der Wirtschaft
In der thailändischen Industrie wächst die Nervosität über die drohende Kostenwelle. Pimjai Leeissaranukul, Vorsitzende des Verbandes der thailändischen Industrie (FTI), bestätigt, dass die Aussicht auf die neuen Zölle die Exporteure in Alarmbereitschaft versetzt hat.
„Wir glauben, dass Lebensmittelhersteller mit Sicherheit betroffen sein werden“, prognostiziert Leeissaranukul. Ob auch Schlüsselindustrien wie der Elektroniksektor von den höheren Einfuhrzöllen getroffen werden, sei nach den Berichten über Washingtons protektionistische Pläne hingegen noch unklar. Die Marschroute für die Unternehmen steht dennoch fest: „Die Hersteller müssen alles daransetzen, die Kosten zu kontrollieren. Zudem muss sich Thailand intensiver um neue Märkte bemühen.“
Obwohl die FTI Vertrauen in die laufenden Verhandlungen zwischen den thailändischen und US-amerikanischen Behörden setzt, sieht Leeissaranukul den unberechenbaren Faktor vor allem in der US-Politik: „Trump neigt dazu, andere zu bedrohen. Wir müssen abwarten, was als Nächstes passiert.“
Gelassenheit an den Finanzmärkten: Welche Branchen wirklich zittern müssen
Einen konträren, deutlich gelasseneren Blick auf die Lage wirft die Finanzwelt. Koraphat Vorachet, stellvertretender Geschäftsführer und Forschungsleiter bei Krungsri Securities, spielt die potenziellen Auswirkungen herunter. Er verweist darauf, dass die schnell wachsenden Elektronikprodukte von den neuen Zöllen ausgenommen sind. Die Mehrheit der Abgaben treffe Agrarprodukte – ein Sektor, der sich seit den ersten, später gerichtlich aufgehobenen Zollmaßnahmen der USA weitgehend an die veränderten Bedingungen angepasst habe.
Diese Einschätzung deckt sich mit ersten Analysen des Nationalen Wirtschafts- und Sozialentwicklungsrats, wonach die Auswirkungen der US-Untersuchung nicht erheblich sein dürften. Laut Vorachet gehören zu den thailändischen Produktgruppen, die voraussichtlich auf der Zoll-Liste landen werden, vor allem:
Reis
Textilien und Garne
Persönliche Schutzausrüstung
Solarzellen
Ob diese Branchen die Mehrkosten auffangen können oder der thailändische Exportmotor tatsächlich ins Stocken gerät, wird sich nach den entscheidenden US-Anhörungen im Juli zeigen.
Redaktion STIN // CTN-Media
Die Taeter machen sich wieder selber zu Opfern.Wegen 2,5% mehr Steuern machen sie ein Theater obwohl sie selber ein Vielfaches verlangen.
Und STIN der schon lange aus TH gefluechtet ist jammert mit.
Es geht um mehr Steuern – nicht nur um 2,5 %.
Das mit den Zollgebühren ist wohl weltweit unter Trump ein Problem – auch für EU u.a.
Nein, TH erhöht keinen Zoll gegen USA – dass wäre tödlich.
Das können nur China, EU….. – sonst eigentlich niemand.
Eigentlich nicht, umso schlechter es den Thais geht, umso besser geht es den Farangs – vor allem, wenn
sie Einkommen aus dem Ausland generieren.
Sogar ich profitiere, wenn der Baht kollabieren sollte. So um die 50 Baht pro EUR, wäre nicht schlecht 🙂