Das russische Außenministerium hat eine dringende Reisewarnung für Thailand herausgegeben und fordert seine Bürger zu „äußerster Vorsicht“ bei geschäftlichen oder privaten Aufenthalten auf. Der Grund: Laut Moskau bestehe für Russen ein drastisch erhöhtes Risiko, auf Betreiben von US-Strafverfolgungs- und Geheimdiensten festgenommen zu werden.
Besonders gefährdet seien Personen, die im Visier der US-Justiz stehen könnten. Das Ministerium appelliert an diesen Personenkreis, Reisen nach Thailand sowie den Transit über thailändische Flughäfen strikt zu vermeiden. Der Hintergrund ist juristischer Natur: Zwischen Thailand und den Vereinigten Staaten besteht ein bilaterales Auslieferungsabkommen.
Moskau wirft Washington weltweite „Jagd“ vor
In einer scharf formulierten offiziellen Erklärung erhebt die russische Regierung schwere Vorwürfe gegen Washington und spricht von einer regelrechten globalen „Jagd“ auf russische Staatsangehörige.
„Leider bleibt dieses freundliche Land, das bei russischen Touristen beliebt ist, einer der Orte, an denen Washington eine regelrechte ‚Jagd‘ auf Russen gestartet hat“, warnt das Außenministerium explizit.
Die Warnung kommt nicht von ungefähr, sondern steht im engen Kontext mit jüngsten juristischen Präzedenzfällen in Thailand. Erst Anfang dieser Woche musste sich der mutmaßliche russische Hacker Denis Obrezko erstmals vor einem US-Gericht verantworten. Er war Ende letzten Jahres in Thailand festgenommen worden.
Zudem erinnert das Ministerium an den international Aufsehen erregenden Fall des Waffenhändlers Viktor Bout, der 2008 in Bangkok verhaftet worden war. Bout wurde damals an die USA ausgeliefert und verbrachte mehr als ein Jahrzehnt in einem amerikanischen Bundesgefängnis, bevor er 2022 im Rahmen eines prominenten Gefangenenaustauschs gegen den US-Basketballstar Brittney Griner freikam.
Vorwurf der Einschüchterung und Fokus auf den Ukraine-Konflikt
Moskau wirft den US-Behörden vor, bei der Jagd auf russische Staatsbürger aggressiv vorzugehen und die thailändischen Behörden schlichtweg zu missachten. Nach Angaben der russischen Regierung seien inhaftierte Russen einem massiven psychischen Druck sowie Einschüchterungsversuchen durch US-Geheimdienste ausgesetzt, um Geständnisse zu erzwingen.
Das Ministerium betont zudem, dass Washingtons „strafendes Justizsystem“ seinen Fokus nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Jahr 2022 noch einmal spürbar verschärft und gezielt auf russische Staatsbürger gerichtet habe.
Entwarnung für Pauschaltouristen: Branche wiegelt ab
Trotz der harten diplomatischen Töne aus dem Kreml bemüht sich die Tourismusbranche um Schadensbegrenzung und spielt die Gefahr für den normalen Urlauber herunter.
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Keine Gefahr für Normalbürger: Der Verband der Reiseveranstalter Russlands stellte klar, dass reguläre Touristen kein Risiko laufen, aufgrund von Haftbefehlen drittstaatlicher Behörden festgenommen zu werden.
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Isolierte Einzelfälle: Bei den genannten Verhaftungen handele es sich um extrem seltene und isolierte Vorfälle.
Thailand bleibt ungeachtet der diplomatischen Spannungen eines der absoluten Top-Reiseziele für Urlauber aus Russland: Jährlich zieht es mehr als 1,8 Millionen russische Besucher an die thailändischen Strände.
Für den Ernstfall rät das russische Außenministerium seinen Bürgern im Ausland, die Kontaktdaten der lokalen diplomatischen und konsularischen Vertretungen stets griffbereit zu haben. Gleichzeitig versicherte die Regierung, dass russische Beamte in Not geratenen Staatsbürgern auch weiterhin die bestmögliche Unterstützung bieten werden.