Die USA setzen in Südostasien wieder auf volle diplomatische Präsenz: Nach einer 18-monatigen Vakanz haben die Vereinigten Staaten mit dem erfahrenen Spitzendiplomaten Kevin Kim den Posten des Botschafters bei der ASEAN offiziell neu besetzt. Am 11. Juni überreichte Kim im Hauptsitz des Staatenbundes in Jakarta sein Beglaubigungsschreiben an ASEAN-Generalsekretär Kao Kim Hourn. Damit endet eine anderthalbjährige Übergangsphase, die hinter den Kulissen der regionalen Diplomatie für erhebliche Missstimmungen gesorgt hatte.
Während der langen Vakanz war die strategisch wichtige Position von einer Reihe temporärer Geschäftsträger (Chargés d’Affaires) verwaltet worden. Diese personelle Hängepartie hatte bei hochrangigen Beamten des Staatenbundes, die den direkten Kontakt mit den Dialogpartnern der ASEAN pflegen, zunehmend für Frustration gesorgt und Fragen über das tatsächliche Engagement Washingtons in der Region aufgeworfen.
Signal der Verlässlichkeit und Bekenntnis zur „ASEAN-Zentralität“
Um die regionalen Partner umgehend zu beruhigen, sandte Kim direkt zum Amtsantritt eine klare Botschaft der Stärkung an den Block: „Ich fühle mich geehrt, als neuer US-Botschafter bei der ASEAN zu dienen. Gemeinsam werden wir eine Zukunft gestalten, die sicherer, stärker und wohlhabender für unsere insgesamt eine Milliarde Menschen ist.“
Während der offiziellen Zeremonie war der neue Botschafter sichtlich bemüht, jegliche wahrgenommene Distanz zwischen Washington und Südostasien auszuräumen. Er bekräftigte nachdrücklich die unerschütterliche Unterstützung der USA für die sogenannte „Zentralität der ASEAN“. Diese regionale Doktrin besagt, dass der zehn Mitglieder zählende Staatenbund die treibende Kraft bei der Gestaltung aller politischen und sicherheitsrelevanten Angelegenheiten in Südostasien bleiben muss.
Ein Asien-Experte für eine Schlüsselregion
Mit Kevin Kim entsendet die US-Regierung einen ausgewiesenen außenpolitischen Experten, der über tiefgehende Erfahrung im asiatischen Raum verfügt. Zu seinen früheren diplomatischen Stationen gehört unter anderem die Position des Geschäftsträgers ad interim an der US-Botschaft in Südkorea. Zudem war er als leitender Beamter im wichtigen Referat für Ostasien und den Pazifik im US-Außenministerium tätig. Vor seiner Abreise nach Indonesien war Kim am 5. Juni von US-Außenminister Marco Rubio in Washington offiziell vereidigt worden.
Die diplomatischen Beziehungen zwischen den USA und der ASEAN bestehen bereits seit dem Jahr 1977. Allerdings war die 2009 eingerichtete ständige Vertretung in Jakarta in der Vergangenheit durch Regierungswechsel im Weißen Haus und langwierige, parteipolitisch umstrittene Bestätigungskämpfe im US-Senat immer wieder von längeren Vakanzen betroffen.
Strategischer Wettbewerb im Fokus
Laut der offiziellen Website des ASEAN-Sekretariats kommt Kims Antritt zu einem kritischen Zeitpunkt. Von seiner Ernennung wird erwartet, dass sie das diplomatische Gewicht Washingtons in Südostasien spürbar stärkt. Die Region steht derzeit mehr denn je im Zentrum des strategischen Wettbewerbs zwischen den globalen Großmächten. Die Mission des neuen Botschafters wird maßgeblich darin bestehen, die wirtschaftliche und sicherheitspolitische Zusammenarbeit mit den ASEAN-Staaten im indopazifischen Raum zu vertiefen.